Unser Bekenntnis
Wir sind eine junge bibeltreue Gemeinde mit reformatorischem Bekenntnis. Neben den fünf Solas der Reformation bekennen wir uns zu den Lehren der Gnade, die im Englischen als TULIP zusammengefasst werden.
Hier finden Sie unser Bekenntnis, basierend auf klassischen reformatorischen Bekenntnissen im bibeltreuen Sinne. Es enthält zusätzliche Passagen zu aktuellen Themen sowie einen Katechismus zu jedem Artikel:
Artikel 1 – Von der Heiligen Schrift
1.1 Die göttliche Offenbarung
Obwohl Gottes Güte, Weisheit und Macht durch den menschlichen Verstand, die Werke der Schöpfung und die Werke der Fürsorge soweit offenbart werden, um den Menschen unentschuldbar zu machen, so reicht das doch nicht aus, um jene Erkenntnis Gottes und seines Willens zu geben, die zum Heil notwendig ist.1 Deshalb hat es dem Herrn gefallen, zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlicher Art und Weise sich seiner Gemeinde zu offenbaren und ihr jenen seinen Willen bekannt zu machen.2 Ebenso hat es dem Herrn gefallen, damit die Wahrheit besser bewahrt und ausgebreitet und damit die Gemeinde gegen die Verdorbenheit des Fleisches und die tückische Bosheit Satans und der Welt sicherer bewahrt und getröstet würde, das alles in Schrift verfassen zu lassen.3 Das ist der Grund, weshalb die Heilige Schrift völlig unentbehrlich ist, nachdem jene früheren Arten, wie Gott seinen Willen seinem Volk zu erkennen gab, nun aufgehört haben.4
1 Röm 1,19-21; 2,14-15
2 Hebr 1,1-2
3 Röm 15,4; 2Petr 1,19-20; Mt 4,4+7+10;
4 Offb 22,18-20; Hebr 1,1-2; Spr 30,5-6; 5Mo 4,2
1.2 Die Bücher der Heiligen Schrift
Unter dem Namen der Heiligen Schrift oder des geschriebenen Wortes Gottes sind nun alle Bücher des Alten und Neuen Testaments wie folgt zusammengefasst:
Altes Testament:
1. Mose (Genesis), 2. Mose (Exodus), 3. Mose (Levitikus), 4. Mose (Numeri), 5. Mose (Deuteronomium), Josua, Richter, Ruth, 1. Samuel, 2. Samuel, 1. Könige, 2. Könige, 1. Chronik, 2. Chronik, Esra, Nehemia, Ester, Hiob, Psalmen, Sprüche, Prediger, Hohelied, Jesaja, Jeremia, Klagelieder, Hesekiel, Daniel, Hosea, Joel, Amos, Obadja, Jona, Micha, Nahum, Habakuk, Zefanja, Haggai, Sacharja, Maleachi
Neues Testament:
Matthäus, Markus, Lukas, Johannes, Apostelgeschichte, Römer, 1. Korinther, 2. Korinther, Galater, Epheser, Philipper, Kolosser, 1. Thessalonicher, 2. Thessalonicher, 1. Timotheus, 2. Timotheus, Titus, Philemon, Hebräer, Jakobus, 1. Petrus, 2. Petrus, 1. Johannes, 2. Johannes, 3. Johannes, Judas, Offenbarung
Diese wurden alle durch Inspiration Gottes geschrieben, zum Maßstab von Glauben und Leben.5
5 2Tim 3,16
1.3 Die Apokryphen
Die Bücher, die allgemein Apokryphen genannt werden, gehören weil sie nicht von Gott eingegeben sind nicht zum Kanon der Schrift. Deshalb besitzen sie keine Autorität in der Gemeinde Gottes und sollen in keiner anderen Weise anerkannt oder benutzt werden als andere menschliche Schriften.6
6 Lk 24,27+44; Röm 3,2. Die alttestamentlichen Schriften, die im Neuen Testament als biblische Schriften angesehen werden, entsprechen dem Kanon der jüdischen Bibel (=Altes Testament), der in drei Teile aufgeteilt ist:
1. Gesetz Mose (Thora): 1.-5. Mose;
2. Propheten: Josua, Richter, Samuel, Könige, Jesaja, Jeremia, Hesekiel, Hosea, Joel, Amos, Obadja, Jona, Micha, Nahum, Habakuk, Zefanja, Haggai, Sacharja, Maleachi;
3. Psalmen/Schriften: Psalmen, Hiob, Sprache, Ruth, Hohelied, Prediger, Klagelieder, Ester, Daniel, Esra, Nehemia, Chronik.
1.4 Die Heilige Schrift beruht auf dem Zeugnis Gottes
Die Autorität der Heiligen Schrift, weshalb man ihr glauben und gehorchen soll, beruht nicht auf dem Zeugnis irgendeines Menschen oder irgendeiner Gemeinde, sondern vollständig auf Gott (der die Wahrheit selbst ist) als ihrem Autor, und sie ist deswegen anzunehmen, weil sie das Wort Gottes ist.7
7 2Petr 1,19-21; 1Thess 2,13; 1Joh 5,9
1.5 Das Zeugnis des Geistes und die Hilfe der Gemeinde
Wir können zwar durch das Zeugnis der Gemeinde dazu bewogen und angeleitet werden die Heilige Schrift hochzuschätzen und ehrerbietig zu betrachten. Auch das himmlische Wesen des Inhalts, die Wirksamkeit der Lehre, die Erhabenheit der Redeweise, die Übereinstimmung aller ihrer Teile, der Gesamtzweck des Ganzen, der darin besteht alle Ehre Gott zu geben, die von ihr gewährte völlige Enthüllung des einzigen Wegs zum Heil für den Menschen, die vielen anderen unvergleichlichen Vorzüge und ihre gänzliche Vollkommenheit darin, sind Gründe, durch die sie zum Überfluss beweist, dass sie das Wort Gottes ist. Aber trotzdem kommt unsere volle Überzeugung und Gewissheit von ihrer unfehlbaren Wahrheit und ihrer göttlichen Autorität aus dem inneren Wirken des Heiligen Geistes, der durch und mit dem Wort in unseren Herzen Zeugnis gibt.8
8 Joh 16,13-14; 1Kor 2,10-12; 1Joh 2,20+27; Jes 59,21
1.6 Wie gewinnen wir Erkenntnis aus der Schrift?
Der ganze Ratschluss Gottes bezüglich alles dessen, was notwendig ist zu seiner eigenen Ehre, zum Heil, Glauben und Leben der Menschen ist entweder ausdrücklich in der Schrift niedergelegt oder kann mit guter und notwendiger Folgerichtigkeit aus der Schrift abgeleitet werden. Nichts darf zu irgendeiner Zeit hinzugefügt werden, weder durch neue Offenbarungen des Geistes noch durch Menschenüberlieferungen.9 Trotzdem erkennen wir an, dass die innere Erleuchtung durch den Geist Gottes nötig ist, um das rettende Verständnis für das zu erlangen, was im Wort geoffenbart ist.10 Ebenso erkennen wir an, dass es einige Umstände bezüglich der Gottesverehrung und der Gemeindeleitung gibt, die mit menschlichen Verhaltensweisen und Kulturkreisen Gemeinsamkeiten aufweisen und deshalb mit Hilfe des natürlichen Verstandes und der christlichen Klugheit zu ordnen sind, gemäß den allgemeinen Regeln des Wortes, nach welchem man sich immer zu richten hat.11
9 2Tim 3,15-17; Gal 1,8-9; 2Thess 2,2; Offb 22,18-20
10 Joh 6,45; 1Kor 2,9-12
11 1Kor 11,13-14; 14,26+40
1.7 Die Klarheit der Schrift in Bezug auf das Heil
In der Schrift sind weder alle Dinge in sich selbst klar, noch gleich verständlich für jeden12; doch sind jene Dinge, die heilsnotwendig zu wissen, zu glauben und zu halten sind, so deutlich an der einen oder anderen Stelle der Schrift vorgestellt und eröffnet, dass nicht nur der Geschulte, sondern auch der Ungeschulte beim rechten Gebrauch der ordentlichen Mittel zu einem ausreichenden Verständnis dessen gelangen kann.13 (s. Artikel 1A)
12 2Petr 3,16
13 Ps 19,8; 119,130
1.8 Die Übersetzung der Schrift in andere Sprachen
Das Alte Testament in Hebräisch (das die eigene Sprache des Volkes Gottes von alters her war) und das Neue Testament in Griechisch (das zur Zeit seiner Abfassung den Völkern ganz allgemein bekannt war), sind, weil sie von Gott unmittelbar eingegeben und durch seine besondere Fürsorge und Vorsehung zu allen Zeiten unverfälscht bewahrt sind14, völlig zuverlässig, sodass sich die Gemeinde in allen Religionsstreitigkeiten letztlich auf sie berufen soll.15 Weil aber diese Ursprachen nicht dem gesamten Volk Gottes das ein Recht und Interesse an der Schrift hat und dem geboten ist, sie in Gottesfurcht zu lesen und zu erforschen16 bekannt sind, sollen sie in die Standardsprache jedes Volkes, zu dem sie gelangen, übersetzt werden17, damit das Wort Gottes reichlich in allen wohne, sie ihm in einer wohlgefälligen Weise dienen und durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben können. 18 (s. Artikel 1C)
14 Mt 5,18
15 Jes 8,20; Joh 10,35; Apg 15,15
16 Jos 1,8; Offb 1,3; Joh 5,39; Apg 17,11
17 1Kor 14,6+9+11-12+24+28
18 Kol 3,16; Röm 15,4
1.9 Der rechte Umgang mit der Schrift
Die unfehlbare Regel der Schriftauslegung ist die Schrift selbst. Deswegen muss, wenn eine Frage über die wahre und volle Bedeutung einer Schriftstelle vorliegt (die nur einen Wortsinn zulässt), das mit Hilfe anderer Stellen, wo deutlicher davon die Rede ist, erforscht und erkannt werden.19 (s. Artikel 1A)
19 2Petr 1,20-21; Apg 15,15-16; Joh 10,34-36
1.10 Alles ist an der Schrift zu prüfen
Der oberste Richter, von dem alle Religionsstreitigkeiten entschieden werden und alle Konzilsbeschlüsse, Meinungen von Gemeindevätern, Menschenlehren und einzelne Geister geprüft werden müssen und bei dessen Urteil wir Ruhe finden sollen, kann kein anderer sein als der Heilige Geist, der in der Schrift spricht.20
20 Mt 22,29+31-32; Eph 2,20; Apg 28,23
Artikel 1A – Hermeneutik21
1. Weil Gott der Heilige Geist der Autor und Ausleger der Schrift ist22 und er sich an diese gebunden hat, legt sich die Bibel selber aus und widerspricht sich selber nicht23, da sie eine inspirierte Einheit bildet.24 Die Auslegung des Heiligen Geistes geschieht dadurch, dass sich die Schrift selber auslegt, weil sich der Geist allein an dieses Wort untrennbar gebunden hat.25 Daraus ergeben sich folgende Schritte für die Auslegung:
• Text (Wort/Grammatik/Satzbau)
• Zusammenhang (Heilszeit, Zeit, Autor, Anlass [Gesamtbild des Buches], Empfänger, Stil [Brief, Geschichtsschreibung, Prosa/Dichtung, Gleichnis, Metapher usw.], unmittelbarer Zusammenhang)
• theologischer Schriftvergleich (die Auslegung hat sich am einheitlich
gesamtbiblischen Rahmen zu orientieren; oft kann erst durch den gesamtbiblischen Blick ein Text und seine [theologische] Aussage recht erfasst werden).
2. Die ganze Bibel ist Gottes Wort und es ist alles zu unserer Belehrung aufgeschrieben.26 Dies bedeutet aber nicht, dass man willkürlich alles direkt auf sich anwenden oder übertragen darf (z.B. Steinigungsgebot im AT, Berufungsgeschichten der Propheten oder Apostel, Zeichen und Wunder, [einmalige] konkrete Anweisungen oder Verheißungen an bestimmte Leute zu einer bestimmten Zeit usw.). Dennoch beinhalten diese Schriftaussagen biblische Theologie und ggf. indirekte Prinzipien für eine Übertragung auf uns heute. Da die Heilige Schrift kein Orakelbuch ist, bei dem man jede Schriftstelle willkürlich auf sich direkt bezieht, muss jede biblische Aussage auf ihren Standort hin befragt werden (zu wem wurde was wann wie gesagt). Besonders der heilsgeschichtliche Zusammenhang muss bedacht werden (Alter und Neuer Bund).
3. Außerbiblische historische und archäologische Hintergrundinformationen können einen Bibeltext erhellen. Dennoch dürfen diese Informationen nicht überbewertet werden, da die Gefahr besteht, den Text und seine (theologische) Aussage dadurch zu überfremden (denn viele historische Hintergrundinformationen sind nicht 100% sicher bzw. z.T. widersprüchlich). Gottes Wort ist klar und Gott hat dafür gesorgt, dass der Sinn des Textes (bzw. die Stoßrichtung) im Text selber (bzw. im Zusammenhang Schriftvergleich) zu finden ist.
21 Artikel entnommen aus „Hermeneutik der BEG-OWL“
22 2Tim 3,16
23 Jak 1,17
24 Apg 10,43
25 Joh 6,63
26 2Tim 3,16
Artikel 1B – Inspiration
Wir stimmen der Chicago Erklärung zu (s. Anhang, Chicagoer Erklärung: Artikel 3-11).
Artikel 1C – Zur Übersetzung der Bibel
Die Übersetzung muss sich gewissenhaft an den ursprünglichen Sprachen orientieren und sich der bestmöglichen Quellen bedienen. Sie soll eine möglichst genaue Übertragung der Begriffe und des Inhalts zum Ziel haben, nicht aber eine Versinnbildlichung, die sich an neuzeitlichem Sprachgebrauch orientiert und somit ein Schriftverständnis nach Artikel 1A unmöglich macht.
Hinweis für Prediger zur Nutzung von Bibelübersetzungen: Verständliche Übersetzung die sich gleichzeitig am ursprünglichen Wortlaut orientiert.
Katechismus zu Artikel 1
Was ist die Heilige Schrift, die wir Bibel nennen?
Die Heilige Schrift ist die einzig ausreichende, sichere und unfehlbare Quelle sowohl in Bezug auf die Offenbarung Gottes, als auch als Richtlinie für alle zum Heil notwendige Erkenntnis für den rettenden Glauben und den Glaubensgehorsam. Sie ist zudem vollkommen irrtumslos.27
27 2Tim 3,15-17; 2Petr 1,20-21; 1Thess 2,13; Jes 55,10-11; Röm 10,17; Joh 17,17; Gal 1,8; 2Petr 1,16
Artikel 2 – Von Gott und seiner Dreieinigkeit
2.1 Der wahre Gott
Es gibt nur einen einzigen lebendigen und wahren Gott28, der unendlich ist in Wesen und Vollkommenheit29, ganz und gar Geist30, unsichtbar und ohne Körper, Teile oder willkürliche Gemütserregungen. Er ist unveränderlich31, unermesslich32, ewig33, unbegreiflich34, allmächtig35, allwissend, absolut heilig36, vollkommen frei37, herrscht völlig uneingeschränkt38 und wirkt alle Dinge nach dem Rat seines eigenen unwandelbaren und absolut gerechten Willens zu seiner eigenen Ehre39. Er ist voller Liebe40, Gnade und Barmherzigkeit, geduldig, reich an Güte und Wahrheit, vergibt Missetat, Übertretung und Sünde41 und belohnt, die ihn eifrig suchen42. Zugleich ist er absolut gerecht und sehr schrecklich in seinen Gerichten43, denn er hasst alle Sünde und spricht den Schuldigen auf keinen Fall frei44.
28 5Mo 6,4; 1Kor 8,4+6; 1Thess 1,9
29 Jes 48,12
30 Joh 4,24
31 Mal 3,6; Jak 1,17
32 1Kön 8,27; Jer 23,23-24
33 Ps 90,2
34 2Mo 3,14; Hiob 11,7-8; Ps 145,3; Röm 11,33-34
35 1Mo 17,1
36 Jes 6,3
37 Ps 115,3; Jes 46,10
38 2Mo 3,14
39 Eph 1,5-6+11; Spr 16,4; Röm 11,36
40 1Joh 4,8
41 2Mo 34,6-7
42 Hebr 11,6
43 Neh 9,32-33; Hebr 10,30-31
44 Ps 5,5-7; Nah 1,2-3; 2Mo 34,7
2.2 Gott und die Schöpfung
Gott hat alles Leben45, alle Herrlichkeit46, Güte47 und Erfüllung in sich und von sich selbst und ist allein in sich und für sich selbst allgenügsam, indem er in keiner Weise irgendeine Kreatur benötigt, die er geschaffen hat, noch auf irgendeine Ehre von dieser angewiesen ist48; vielmehr offenbart er nur seine eigene Ehre in, durch, an und über diese. Er allein ist der Grund alles dessen, was ist, von dem, durch den und zu dem hin alle Dinge sind49, und er hat die höchste Macht über sie, durch sie, für sie oder über ihnen zu tun, was immer ihm gefällt50. Vor seinen Augen sind alle Dinge aufgedeckt und nichts entgeht ihm51, sein Wissen ist unendlich, unfehlbar und unabhängig von den Kreaturen, so wie nichts für ihn zufällig oder ungewiss ist52. Er ist ganz und gar heilig in seinen Ratschlüssen, in allen seinen Werken und in allen seinen Geboten53. Ihm steht zu – von Engeln und Menschen und jeder anderen Kreatur -, was er auch immer nach seinem Gefallen von ihnen an Verehrung, Dienst oder Gehorsam fordert.54
45 Joh 5,26
46 Ps 148,13
47 1Chr 16,34
48 Hi 22,2-3; 1Tim 6,15
49 Röm 11,34-36; Offb 4,11
50 Dan 4,22+31-32
51 Hebr 4,13
52 Röm 11,33-34; Ps 147,5; Apg 15,18; Hes 11,5
53 Ps 145,17; 5Mo 32,4; Röm 7,12
54 Offb 5,12-14
2.3 Die Dreieinigkeit
Dieses göttliche und unendliche Wesen besteht aus Seinsweisen, dem Vater, dem Wort (oder Sohn)55 und dem Heiligen Geist56. Sie sind wesenseins57, haben dieselbe Macht und sind in gleicher Weise ewig. Jeder von ihnen besitzt die volle göttliche Natur, dennoch ist diese Natur nicht geteilt58: Der Vater ist von niemandem, er ist weder gezeugt noch geboren. Der Sohn ist von Ewigkeit her vom Vater gezeugt59. Der Heilige Geist geht vom Vater und vom Sohn aus60. Alle sind unendlich und ohne Anfang. Daher ist es nur ein Gott, der in seiner Natur und seinem Dasein nicht geteilt werden kann. Jedoch unterscheiden sie sich durch etliche charakterliche Eigenschaften und personenhafte Beziehungen untereinander. Diese Lehre der Dreieinigkeit ist die Grundlage unserer ganzen Gemeinschaft mit Gott und unserer sorgenfreien Abhängigkeit von ihm.
55 Joh 1,1-3; 10,36
56 Mt 3,16-17; 28,19; 2Kor 13,13
57 Joh 10,30
58 Joh 14,11; 1Kor 8,6
59 Joh 1,14+18; 3,16; 16,28; Spr 8,22-31; Hebr 1,2+5
60 Joh 15,26; 16,7; Apg 2,33
Katechismus zu Artikel 2
Warum nennst du denn drei: den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, wo doch Gott nur einer ist?
Weil Gott sich in seinem Wort so offenbart hat, dass diese drei Personen unterschieden und der eine, wahre und ewige Gott sind.61
61 Jes 61,1; Mt 28,19; 1Joh 5,7
Artikel 3 – Vom Heiligen Geist
3.1 Das Wesen des Heiligen Geists
Die Schrift lehrt, dass der Heilige Geist eine göttliche Person ist, ewig, ursprungslos, alle Eigenschaften einer Person und Gottheit besitzt, einschließlich Intellekt62, Gefühl63, Wille64, Ewigkeit65, Allgegenwart66, Allwissenheit67, Allmacht68 und Wahrheit69. In allen Seinen göttlichen Eigenschaften ist Er mit dem Vater und dem Sohn gleich und in Substanz eins.70
62 1Kor 2,10-13
63 Eph 4,30
64 1Kor 12,11
65 Hebr 9,14
66 Ps 139,7-10
67 Jes 40,13-14
68 Röm 15,13
69 Joh 16,13
70 Mt 28,19; Apg 5,3-4; 1Kor 12,4-6; 2Kor 13,13; vgl. Jes 6,8-10 mit Apg 28,25-26; vgl. Jer 31,31-34 mit Hebr 10,15-17
3.2 Das Wirken des Heiligen Geists
Die Schrift lehrt, dass es das Werk des Heiligen Geistes ist, Gottes Willen bezüglich der ganzen Menschheit auszuführen. Wir erkennen Sein souveränes Wirken in der Schöpfung71, der Führung des Gottesvolks im Alten Testament, der Menschwerdung72, der geschriebenen Offenbarung73 und dem Werk der Erlösung74.
71 1Mo 1,2
72 Mt 1,18
73 2Petr 1,20-21
74 Joh 3,5-7
3.3 Das Werk des Heiligen Geists
Die Schrift lehrt, dass das einzigartige Werk des Heiligen Geistes in diesem Zeitalter zu Pfingsten begonnen hat, als Er vom Vater kam, wie Jesus Christus versprochen hatte75, um den Bau des Leibes Christi zu beginnen und zu vollenden. Sein Werk beinhaltet das Überführen der Welt von Sünde, von Ungerechtigkeit und Gericht, die Verherrlichung des Herrn Jesus Christus und die Umgestaltung der Gläubigen in das Bild Christi.76
75 Joh 14,16-17; 15,26
76 Joh 16,7-9; Apg 1,5; 2,4; Röm 8,29; 2Kor 3,18; Eph 2,22
3.4 Der Heilige Geist im Leben der Gläubigen
Die Schrift lehrt, dass der Heilige Geist als ein übernatürliches und souveränes Instrument in der Wiedergeburt alle Gläubigen in den Leib Christi tauft77. Außerdem bewohnt, heiligt, lehrt und bevollmächtigt der Heilige Geist diese zum Dienst und versiegelt sie bis auf den Tag der Erlösung.78
77 1Kor 12,13
78 Röm 8,9; 2Kor 3,6; Eph 1,13
3.5 Der Heilige Geist erfüllt die Gläubigen
Die Schrift lehrt, dass der Heilige Geist der göttliche Lehrer ist, der die Apostel und Propheten beim Schreiben von Gottes Offenbarung, der Bibel, in alle Wahrheit geleitet hat79. Jeder Gläubige besitzt die innewohnende Gegenwart des Heiligen Geistes vom Augenblick der Errettung an, und es ist die Pflicht aller, die aus dem Geist geboren sind, mit dem Heiligen Geist erfüllt, d.h. von ihm beherrscht zu sein.80
79 2Petr 1,19-21
80 Joh 16,13; Röm 8,9; Eph 5,18; 1Joh 2,20+27
3.6 Der Heilige Geist wirkt zur Verherrlichung Christus
Die Schrift lehrt, dass der Heilige Geist geistliche Gaben an die Gemeinde austeilt. Der Heilige Geist verherrlicht weder Sich selbst noch Seine Gaben durch demonstrative Zurschaustellung, sondern Er verherrlicht Christus indem Er Sein Werk ausführt, die Verlorenen zu erlösen und die Gläubigen im Glauben aufzuerbauen. 81
81 Joh 16,13-14; Apg 1,8; 1Kor 12,4-11; 2Kor 3,18
3.7 Der Heilige Geist gibt, was für die Gemeinde notwendig ist zur Zurüstung der Gemeinde
Die Schrift lehrt diesbezüglich, dass Gott, der Heilige Geist, im Geben aller Seiner Gaben zur Zurüstung der Heiligen souverän ist und dass das Zungenreden und Wundertun in den Anfangstagen der Gemeinde dazu diente, auf die Apostel als Offenbarende der göttlichen Wahrheit hinzuweisen und sie zu beglaubigen. Zungenreden und Wundertun waren niemals dazu bestimmt, Merkmale des Lebens der Gläubigen zu sein.82
82 1Kor 12,4-11; 13,8-10; 2Kor 12,12; Eph 4,7-12; Hebr 2,1-4
Katechismus zu Artikel 3
Was glaubst du vom Heiligen Geist?
Erstens: Der Heilige Geist ist gleich ewiger Gott mit dem Vater und dem Sohn.83 Zweitens: Er ist auch mir gegeben und gibt mir durch wahren Glauben Anteil an Christus und allen seinen Wohltaten. Er tröstet mich und wird bei mir bleiben in Ewigkeit.
83 1Mo 1,2; Jes 48,16; 1Kor 3,16; 1Kor 6,19; Apg 5,3+4
Artikel 4 – Von Gottes ewigem Ratschluss
4.1 Gottes Ratschluss
Gott hat von aller Ewigkeit her nach dem vollkommen weisen und heiligen Ratschluss seines eigenen Willens uneingeschränkt frei und unveränderlich84 alles angeordnet, was auch immer geschieht85; doch so, dass Gott dadurch weder Urheber der Sünde ist86 noch dem Willen der Geschöpfe Gewalt angetan, noch die Freiheit oder Möglichkeit der Zweitursachen aufgehoben, sondern vielmehr in Kraft gesetzt werden87.
84 Spr 19,21; Jes 14,24-27; 46,10-11; Ps 115,3; 135,6; Röm 9,19; Eph 1,11
85 Dan 4,31-32; Röm 8,28; 9,15+18; 11,36; Eph 1,11; Hebr 6,17
86 Jak 1,13; 1Joh 1,5
87 Mt 17,12; Joh 19,11; Apg 2,23; 4,27-28
4.2 Gottes Vorherwissen und sein Ratschluss
Obwohl Gott alles weiß, was unter allen gegebenen Umständen geschehen soll oder kann88, so hat er doch nichts aus dem Grund beschlossen, weil er es als zukünftig vorausgesehen hat oder dass es unter bestimmten Umständen eintreffen würde89.
88 1Sam 23,11-12; Mt 11,21+23; Apg 15,18
89 Jes 40,13-14; Röm 9,11-18; 11,34; 1Kor2,16
4.3 Erwählung und Verwerfung
Durch Ratschluss Gottes sind zur Offenbarung seiner Herrlichkeit einige Menschen und Engel durch Jesus Christus zum ewigen Leben auserwählt oder vorherbestimmt zum Preise seiner wunderbaren Gnade90. Andere sind einem Leben in Sünde überlassen, zu ihrer gerechten Verurteilung, zum Preise seiner wunderbaren Gerechtigkeit.91
90 Mt 25,34; 1Tim 5,21; Eph 1,4-6; Apg 13,48; Röm 8,29-30
91 Joh 12,37-40; Röm 3,4-7; 9,21-23; 1Petr 2,8-10; Jud 4
4.4 Die Zahl der Erwählten steht fest
Diese vorherbestimmten und zuvor verordneten Engel und Menschen sind besonders und unabänderlich bezeichnet, und ihre Zahl ist so gewiss und begrenzt, dass sie weder vermehrt noch vermindert werden kann.92
92 Mt 22,1-14; Joh 13,18; Röm 11,25; 2Tim 2,19
4.5 Erwählung aus freier Liebe
Diejenigen, die aus dem menschlichen Geschlecht zum Leben vorherbestimmt sind, hat Gott vor Grundlegung der Welt nach seinem ewigen und unwandelbaren Vorsatz und verborgenen Ratschluss und Wohlgefallen seines Willens in Christus zu ewiger Herrlichkeit erwählt; dies aus seiner völlig freien Gnade und Liebe93 – ohne jede Rücksicht auf Glauben und gute Werke oder die Beharrung in beiden, auch hat ihn keine in den Kreaturen vorhandene Voraussetzung oder Ursache dazu bewogen; und all das zum Lobpreis seiner herrlichen Gnade94.
93 Röm 8,30; Eph 1,4-6+9+11; 2Tim 1,9; 1Thess 5,9
94 Röm 9,11-16; 11,5-6; Eph 2,5+12
4.6 Folgen der Erwählung – Gottes Handeln am Erwählten
Wie Gott die Erwählten zur Herrlichkeit berufen hat, so hat er nach dem ewigen und völlig freien Entschluss seines Willens alle Mittel dazu im Voraus bestimmt95. Deswegen sind die Erwählten, die in Adam gefallen sind, erlöst durch Christus96; wirksam berufen zum Glauben an Christus durch seinen Geist, der zu seiner Zeit wirkt; sind gerechtfertigt, zur Kindschaft angenommen97, geheiligt98 und bewahrt aus seiner Kraft durch den Glauben zum ewigen Heil99. So sind auch keine anderen durch Christus erlöst, wirksam berufen, gerechtfertigt, angenommen, geheiligt und bewahrt als allein die Erwählten100.
95 Glaube: Röm 5,1-2; 2Thess 2,13; Blutbesprengung (d.i. Sühnung durch sein Blut): 1Petr 1,2; Heiligkeit, gute Werke: Eph 1,4; Eph 2,10; Jak 2,14; 2Thess 2,13
96 1Thess 5,9-10; Tit 2,14
97 Eph 1,5
98 Röm 8,30; 2Thess 2,13
99 1Petr 1,5
100 Joh 6,64-65; 8,47; 10,26; 17,9;Röm 8,28; 1Joh 2,19
4.7 Die Übergangenen
Nach dem unerforschlichen Ratschluss seines eigenen Willens101 – aufgrund dessen er Barmherzigkeit walten lässt oder zurückhält, wie es ihm gefällt102 – hat Gott beschlossen, die übrige Menschheit zur Ehre seiner höchsten Macht über seine Geschöpfe zu übergehen und sie zum Lob seiner vollkommenen Gerechtigkeit wegen ihrer Sünde zu Schmach und Zorn zu bestimmen103.
101 Röm 11,33-36; Eph 1,11
102 Röm 9,15-16+18
103 Röm 9,17-18+21-22; 2Tim 2,19-20; 1Petr 2,8
4.8 Mit dieser Lehre muss man sorgfältig umgehen
Die Lehre dieser tiefen Geheimnisse der Vorherbestimmung soll mit besonderer Klugheit und Sorgfalt behandelt werden104, damit die Menschen – die den im Wort geoffenbarten Willen Gottes beachten und ihm Gehorsam leisten – in der festen Zuversicht auf ihre wirksame Berufung Gewissheit haben, dass sie in Ewigkeit erwählt worden sind105. So soll diese Lehre als Grund zum Lobpreis, zur Ehrerbietung und Bewunderung Gottes106 und zu Demut107, Fleiß108 und reichlichem Trost109 für alle, die dem Evangelium ernsthaft gehorchen110, dienen.
104 5Mo 29,28; Röm 9,20; 11,33
105 1Thess 1,4-5; 2Petr 1,10-11
106 Eph 1,6; Röm 11,33-36
107 Röm 11,20; Kol 3,12
108 2Petr 1,10
109 Lk 10,20; 18,7
110 Röm 11,5-6+20
Katechismus zu Artikel 4
Zu was ist die Lehre vom Ratschluss nützlich?
Diese Lehre soll als Grund zum Lobpreis, zur Ehrerbietung und Bewunderung Gottes und zu Demut, Fleiß und reichlichem Trost für alle, die dem Evangelium ernsthaft gehorchen, dienen. Die Menschen sollen in der festen Zuversicht auf ihre wirksame Berufung Gewissheit haben, dass sie in Ewigkeit erwählt worden sind.
Artikel 5 – Von der Schöpfung
5.1 Die Erschaffung der Welt
Es hat Gott dem Vater, Sohn und Heiligen Geist111 zur Offenbarung der Herrlichkeit seiner ewigen Macht, Weisheit und Güte112 gefallen, am Anfang die Welt und die Dinge in ihr zu schaffen, beziehungsweise aus Nichts zu machen. Dies alles, sowohl das Sichtbare als auch das Unsichtbare113, entstand in dem Zeitraum von sechs Tagen114 (á 24h) und war sehr gut115.
111 Hebr 1,2; Joh 1,2-3; 1Mo 1,2; Hi 26,13; 33,4
112 Röm 1,20; Jer 10,12; Ps 104,24; Ps 33,5-6
113 1Mo 1,1; Joh 1,2; Kol 1,16
114 1Mo 2,1-3; 2Mo 20,8-11
115 1Mo 1,31
5.2 Die Erschaffung des Menschen
Nachdem Gott alle anderen Kreaturen gemacht hatte, erschuf er den Menschen, Mann und Frau116, mit vernunftbegabten und unsterblichen Seelen117; ausgestattet mit Erkenntnis, Gerechtigkeit und wahrer Heiligkeit nach seinem eigenen Ebenbild118. Das Gesetz Gottes war in ihre Herzen geschrieben119 und sie besaßen die Kraft es zu erfüllen; gleichzeitig stand ihnen jedoch die Möglichkeit zur Übertretung offen, indem sie der Freiheit ihres eigenen Willens, der sich ändern konnte, überlassen wurden120. Außer diesem in ihre Herzen geschriebenen Gesetz erhielten sie das eine Gebot, nicht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen zu essen121. Solange sie dieses Gebot hielten, waren sie glücklich in der Gemeinschaft mit Gott und besaßen die Herrschaft über die Schöpfung122.
116 1Mo 1,27
117 1 Mo 2,7; Mt 10,28; Pred 12,7
118 1Mo 1,26-27; Kol 3,10; Eph 4,24
119 Röm 2,14-15
120 1Mo 3,6; Pred 7,29
121 1Mo 2,17; 3,8-11
122 1Mo 1,26+28
Katechismus zu Artikel 5
Was lehrt die Bibel über die Schöpfung?
In sechs Tagen schuf Gott die Welt durch sein Wort, alles Sichtbare und Unsichtbare und alles war sehr gut.123
123 1.Mose 1
Artikel 6 – Von der Vorsehung
6.1 Gott erhält und lenkt alles Geschaffene
Gott, der große Schöpfer aller Dinge124, erhält, lenkt, verfügt und regiert über alle Kreaturen, Handlungen und Dinge125 – von den größten bis hin zu den geringsten126 – durch seine vollkommen weise und heilige Vorsehung, nach dem unfehlbaren Vorauswissen und dem freien und unveränderlichen Ratschluss seines eigenen Willens127 zum Lob seiner herrlichen Weisheit, Macht, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit128.
124 1Mo 1,31; 2,18
125 Hebr 1,3; Jes 46,10-11; Ps 135,6; Hi 38,11; 38-41
126 Mt 10,29-31
127 Ps 33,10-11; Eph 1,11
128 Jes 63,14; Eph 1,11; 3,10; Röm 9,17; 11,36; Ps 145,7
6.2 Erstursache und Zweitursache
Obwohl in Bezug auf das Vorauswissen und den Ratschluss Gottes – als der Erstursache – alle Dinge ohne geändert werden zu können, unfehlbar geschehen129, so ordnet er sie doch durch seine Vorsehung so, dass sie sich nach der Natur der Zweitursachen entweder zwangsläufig, frei oder zufällig ereignen130.
129 Apg 2,23
130 1Mo 8,22; Jer 31,35; 1Kön 22,28+34; Jes 10,6-7
6.3 Vorsehung und die üblichen Mittel
In der Vorsehung macht Gott üblicherweise von bestimmten Mitteln Gebrauch131, ist aber frei, nach seinem Gefallen, ohne132, über133 und gegen134 solche zu wirken.
131 Jes 55,10-11; Apg 27,22-26+31+44
132 Hos 1,7; Lk 1,34-35
133 Röm 4,19-21
134 2Mo 3,2-3; 2Kön 6,6; Dan 3,27
6.4 Vorsehung und Sünde
Die Allmacht, unerforschliche Weisheit und unendliche Güte Gottes offenbaren sich selbst in seiner Vorsehung so weit, dass sie sich sogar bis zum ersten Sündenfall und allen anderen Sünden von Engeln und Menschen erstrecken135. Darin kommt nicht nur eine bloße Zulassung zum Ausdruck, vielmehr verbindet sie sich mit verschiedenartigen Fügungen, durch die Gott – zur Erfüllung seiner heiligen Ziele – seinen Geschöpfen in göttlicher Weisheit und Macht bestimmte Grenzen setzt136 und sie auf eine andere Art und Weise leitet und regiert137. Das geschieht jedoch so, dass die Sündhaftigkeit nur vom Geschöpf ausgeht und nicht von Gott, der als ganz und gar heiliger und gerechter Gott die Sünde weder befürworten noch ihr Urheber sein kann138.
135 Röm 11,32-34; 2Sam 24,1; 1Chr 21,1; 1Kön 22,22-23; 2Sam 16,10-11; Apg 2,23; 4,27-28
136 2Mo 4,21; 8,15; 2Kön 19,28; Jes 10,1-12; Hi 1,21
137 1Mo 50,20
138 Jak 1,13-14+17; 1Joh 2,16; Ps 50,21
6.5 Vorsehung und Züchtigung
Der vollkommen weise, gerechte und gnädige Gott überlässt seine eigenen Kinder öfters eine Zeitlang verschiedenartigen Versuchungen und dem verderblichen Einfluss ihrer eigenen Herzen, um sie wegen ihrer früheren Sünden zu strafen oder ihnen die verborgene Kraft der Verdorbenheit und Falschheit ihrer Herzen aufzudecken, damit sie demütig werden. Dabei verfolgt Gott auch die Absicht, die Seinen zu bewegen, dass sie bei ihm in einer engeren und beständigeren Abhängigkeit Zuflucht suchen. Neben verschiedenen anderen gerechten und heiligen Zielsetzungen139 will er sie dadurch auf alle künftigen Ursachen der Sünde umso aufmerksamer machen. Daher geschieht das, was immer einem seiner Erwählten widerfährt, nach seiner Anordnung zu seiner Ehre und zu ihrem Besten140.
139 2Chr 32,25-26+31; 2Sam 24,1; 2Kor 12,7-9
140 Röm 8,28
6.6 Die Vorsehung und die Gottlosen
Gott verblendet und verstockt als ein gerechter Richter jene Menschen, die sündhaft und gottlos bleiben, wegen ihrer früheren Sünden141. Dabei versagt er ihnen nicht nur seine Gnade, durch die sie in ihrem Verstand hätten erleuchtet und in ihren Herzen in Bewegung hätten gebracht werden können142, sondern manchmal entzieht er ihnen auch die Gaben, die sie hatten143, und setzt sie solch widerlichen Dingen aus, die zu einer derartigen Zerrüttung der menschlichen Persönlichkeit führen, dass die Gelegenheit zur Sünde umso mehr gesucht wird144. In all dem überlässt er sie ihren eigenen Lüsten, den Versuchungen der Welt und der Macht des Satans145, was zur Folge hat, dass sie sich genau unter denselben Mitteln verhärten, die Gott sonst gebraucht, um andere zu erweichen146.
141 Rom 1,24-26+28; 11,7-8
142 5Mo 29,3
143 Mt 13,12; 25,29
144 5Mo 2,30; 2Kön 8,12-13
145 Ps 81,12-13; 2Thess 2,10-12
146 2Mo 7,3; 8,11+28; Jes 6,9-10; Apg 28,26-27; 1Petr 2,7-8
6.7 Die Vorsehung und die Gemeinde
Wie sich die Vorsehung Gottes im Allgemeinen auf alle Geschöpfe erstreckt, so trägt sie auf eine ganz besondere Weise Sorge für seine Gemeinde und wendet ihr alle Dinge zum Guten147.
147 Spr 2,7-8; Jes 43,3-5; Röm 8,28; Eph 1,11+22; 3,10-11+21; 1Tim 4,10
Katechismus zu Artikel 6
Was verstehst du unter der Vorsehung Gottes?
Gott, der gute Schöpfer aller Dinge, erhält, leitet, lenkt und beherrscht in seiner unendlichen Macht und Weisheit alle Geschöpfe und Dinge.
Welchen Nutzen hat die Lehre von der Vorsehung für die Gläubigen?
Gott, der gute Schöpfer aller Dinge, erhält, leitet, lenkt und beherrscht in seiner unendlichen Macht und Weisheit alle Geschöpfe und Dinge.
Artikel 7 – Von dem Fall des Menschen, von der Sünde und von deren Strafe
7.1 Der Sündenfall
Obwohl Gott den Menschen rechtschaffen und vollkommen geschaffen und ihm ein gerechtes Gesetz gegeben hatte – das ihm Leben versprach, wenn er es halten würde, und den Tod androhte, sollte er es brechen -, blieb er dennoch nicht lange in dieser ehrenvollen Stellung148. Satan benutzte den Scharfsinn der Schlange, um Eva zu verführen und anschließend durch sie Adam zu verführen, der ohne jeglichen Zwang absichtlich das Gesetz ihrer Schöpfung und das ihnen gegebene Gebot übertrat, indem er die verbotene Frucht aß149. Es gefiel Gott, dass er dies gemäß seinem heiligen und weisen Ratschluss zuließ, da er beabsichtigte, es zu seiner eigenen Ehre zu gebrauchen150.
148 Pred 7,29; 1Mo 2,16-17; 5,3
149 1Mo 3,1-7+12-13; 2Kor 11,3; 1Tim 2,14
150 Röm 11,32-34+36; Apg 2,23; 4,27-28; Offb 4,11
7.2 Die Folgen des Sündenfalls
Durch diese Sünde sind sie aus ihrer ursprünglichen Gerechtigkeit und Gemeinschaft mit Gott gefallen151 und so Tote in Sünden geworden152; gänzlich verdorben in allen Fähigkeiten und Teilen von Seele und Leib153.
151 1Mo 3,6-8; Pred 7,29; Röm 3,23
152 1Mo 2,17; Eph 2,1
153 Tit 1,15; 1Mo 6,5; Jer 17,9; Röm 3,10-18
7.3 Erbsünde durch Abstammung
Weil sie die Wurzel der ganzen Menschheit sind, wurde ihrer gesamten Nachkommenschaft, die von ihnen durch natürliche Zeugung abstammt, derselbe Tod in Sünden und die verdorbene Natur auf sie übertragen154. Sie werden nun in Sünde geboren155 und sind von Natur aus Kinder des Zorns156, Sklaven der Sünde, dem Tod und allen anderen geistlichen, zeitlichen und ewigen Nöten unterworfen157, es sei denn, der Herr Jesus befreit sie158.
154 Röm 5,12-19; 1Kor 15,21-22+45+49
155 Ps 51,6-7; Hi 14,4
156 Eph 2,1-3
157 Röm 6,20
158 Röm 3,3; 5,8-9; Gal 3,13; 2Kor 5,21; Hebr 2,14-15; 1Thess 1,10
7.4 Die Erbsünde führt zu den einzelnen Sünden
Dieser ursprünglichen Verderbnis, durch die wir äußerst abgeneigt, unfähig und feindlich gegenüber allem Guten und gänzlich hingeneigt zu allem Bösen sind159, entspringen alle tätlichen Übertretungen160.
159 Röm 3,10-12; 5,6; 7,18; 8,7-8; 1Kor 2,14; Kol 1,21
160 Mt 15,18-20; Jak 1,14-15
7.5 Der Christ wird in diesem Leben nicht sündlos
Solche Verderbnis der Natur bleibt während dieses Lebens auch in denjenigen, die wiedergeboren sind161, und obwohl sie durch Christus vergeben und getötet wird, so ist doch beides, sie selbst und alle ihre Regungen, wahrhaftig und eigentlich Sünde162.
161 1Joh 1,8-10; Spr 20,9; Pred 7,20; Röm 7,14-25; Jak 3,2
162 Röm 7,23-25; Gal 5,17; Mt 5,27-28
7.6 Die gerechte Strafe für die Sünde
Jede Sünde bringt entsprechend ihrer eigenen Natur Schuld über den Sünder163. Dies trifft sowohl auf das sündige Wesen des Menschen, als auch auf sein sündiges Handeln zu, denn beides stellt Übertretung und Widerspruch gegen das gerechte Gesetz Gottes dar164. Deshalb ist der Sünder dem Zorn Gottes165 und dem Fluch des Gesetzes verfallen166 und damit dem Tod167 mit allem geistlichen168, zeitlichen169 und ewigen Elend unterworfen170.
163 Röm 2,15; Röm 3,9+19;
164 1Joh 3,4
165 Jes 13,9; Dan 9,16; 1Thess 2,16
166 Gal 3,10
167 Röm 6,23
168 Eph 4,18
169 Röm 8,20
170 Mt 25,41; 2Thess 1,9
Katechismus zu Artikel 7
Hat denn Gott den Menschen so verkehrt und böse erschaffen?
Nein. Gott hat den Menschen gut und nach seinem Ebenbild erschaffen, das bedeutet: wahrhaft, gerecht und heilig, damit er Gott, seinen Schöpfer, recht erkenne, von ganzem Herzen liebe und in ewiger Seligkeit mit ihm lebe, ihn zu loben und zu preisen.
Woher kommt denn diese böse und verkehrte Art des Menschen?
Aus dem Fall und Ungehorsam unserer ersten Eltern Adam und Eva im Paradies. Da ist unsere Natur so vergiftet worden, dass wir alle von Anfang an Sünder sind.
Sind wir aber so böse und verkehrt, dass wir ganz und gar unfähig sind zu irgendeinem Guten und geneigt zu allem Bösen?
Ja, es sei denn, dass wir durch den Geist Gottes wiedergeboren werden.
Tut denn Gott dem Menschen nicht unrecht, wenn er in seinem Gesetz etwas fordert, was der Mensch nicht tun kann?
Nein, sondern Gott hat den Menschen so erschaffen, dass er es tun konnte. Der Mensch aber, vom Teufel angestiftet, hat sich und alle seine Nachkommen durch mutwilligen Ungehorsam der Gabe Gottes beraubt.
Will Gott diesen Ungehorsam ungestraft lassen?
Nein, sondern er zürnt schrecklich über die sündige Art des Menschen und seine sündigen Taten. Beides will er nach seinem gerechten Urteil schon jetzt und ewig strafen, wie er gesprochen hat: „Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetztes geschrieben steht, um es zu tun“.171
171 5Mo 27,26; Gal 3,10
Artikel 8 – Von Gottes Bund mit den Menschen
8.1 Keine Beziehung zu Gott ohne gnädigen Bund
Der Abstand zwischen Gott und dem Geschöpf ist so gewaltig172, dass vernunftbegabte Geschöpfe, auch wenn sie ihm als ihrem Schöpfer Gehorsam schuldig sind, dennoch den Lohn des Lebens niemals anders als durch Gottes freiwillige Herablassung erlangen können. Es gefiel ihm diese durch das Mittel des Bundes zum Ausdruck zu bringen.
172 Jes 40,13-17; Hi 9,32-33; 1Sam 2,25; Ps 113,5-6; Ps 100,2-3; Hi 22,2-3; 35,7-8; Lk 17,10; Apg 17,24-25
8.2 Der Bund der Gnade aus Glauben
Nachdem sich der Mensch durch seinen Fall selbst unter den Fluch des Gesetzes gebracht hatte, gefiel es dem Herrn ferner einen Bund der Gnade einzurichten173, in dem er Sündern Leben und Erlösung durch Jesus Christus frei anbietet. Er fordert von ihnen, dass sie an ihn glauben um erlöst zu werden174 und verspricht all denen, die zum ewigen Leben bestimmt sind, seinen Heiligen Geist, um sie zum Glauben willig und fähig zu machen175.
173 1Mo 2,17; Gal 3,10; Röm 3,20-21
174 Röm 8,3; Mk 16,15-16; Joh 3,16
175 Hes 36,26-27; Joh 6,44-45; Ps 110,3
8.3 Gottes Offenbarung über seinen Bund
Dieser Bund ist im Evangelium geoffenbart, zuerst an Adam in der Verheißung der Erlösung durch den Nachkommen der Frau176 und anschließend in weiteren Schritten, bis die völlige Enthüllung darüber im Neuen Testament abgeschlossen war.177 Dieser Bund beruht auf dem ewigen Bundesschluss, der zwischen dem Vater und dem Sohn über die Errettung der Erwählten bestand.178 Nur durch die Gnade dieses Bundes erhielt die ganze Nachkommenschaft des gefallenen Adam, die jemals errettet worden ist, Leben und selige Unsterblichkeit, da der Mensch jetzt in keinster Weise unter den Voraussetzungen, die Adam in seinem Stand der Unschuld besaß, von Gott angenommen werden kann.179
176 1Mo 3,15
177 Hebr 1,1
178 2Tim 1,9; Tit 1,2
179 Hebr 11,6+13; Röm 4,1-2; Apg 4,12; Joh 8,56
Katechismus zu Artikel 8
Wozu dient der Bund Gottes?
Der Bund beruht auf dem ewigen Bundesschluss, der zwischen dem Vater und dem Sohn über die Errettung der Erwählten bestand.
Artikel 9 – Von Christus dem Mittler
9.1 Die Ämter Christi
Es gefiel Gott in seinem ewigen Vorsatz, den Herrn Jesus, seinen eingeborenen Sohn – gemäß des ewigen Bundes, der zwischen beiden geschlossen wurde – zu erwählen und zu bestimmen, dass er Mittler zwischen Gott und Menschen,180 Prophet,181 Priester182 und König,183 Haupt und Erlöser seiner Gemeinde,184 Erbe aller Dinge185 und Richter der Welt sei.186 Ihm hat er von Ewigkeit her ein Volk gegeben, das seine Nachkommenschaft sein sollte und von ihm zu seiner Zeit erlöst, berufen, gerechtfertigt, geheiligt und verherrlicht werden sollte.187
180 Jes 42,1; 1Petr 1,19-20
181 Apg 3,22
182 Hebr 5,5-6
183 Ps 2,6; Lk 1,33
184 Eph 5,23
185 Hebr 1,2
186 Apg 17,31
187 Jes 53,10; Joh 17,6; Röm 8,30
9.2 Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch
Der Sohn Gottes, die zweite Person in der Dreieinigkeit, ist wahrer und ewiger Gott, der Abglanz der Herrlichkeit des Vaters, von einem Wesen und gleich mit dem, der die Welt erschaffen hat und der alle Dinge, die er gemacht hat, erhält und regiert. Als die Fülle der Zeit gekommen war, nahm er die menschliche Natur mit all ihren wesentlichen Eigenschaften und allgemeinen Schwachheiten an,188 jedoch ohne Sünde.189 Er wurde durch den Heiligen Geist im Leib der Jungfrau Maria von ihrem menschlichen Wesen empfangen. Dies geschah, indem der Heilige Geist auf sie hernieder kam und die Kraft des Höchsten sie überschattete. Auf diese Weise wurde er von einer Frau aus dem Stamme Juda, aus der Nachkommenschaft Abrahams und Davids geboren, wie es die Schrift angekündigt hatte.190 So sind die beiden vollständigen, vollkommenen und unterschiedlichen Naturen untrennbar in einer Person vereinigt, ohne Verwandlung, Zusammensetzung oder Vermischung. Diese Person ist wahrer Gott und wahrer Mensch,191 doch nur ein Christus, der einzige Mittler zwischen Gott und Menschen.192
188 Joh 1,1+14; Gal 4,4
189 Röm 8,3; Hebr 2,14+16+17; 4,15
190 Lk 1,27+31+35
191 Joh 1,1+14; Phil 2,6
192 Röm 9,5; 1Tim 2,5
9.3 Christi Befähigung zum Mittler
Der Herr Jesus Christus – auf diese Weise in seiner menschlichen mit seiner göttlichen Natur in der Person des Sohnes vereinigt – wurde über die Maßen geheiligt und mit dem Heiligen Geist gesalbt.193 In ihm sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis.194 Es gefiel dem Vater, dass in ihm alle Fülle wohnen sollte,195 mit dem Ziel, dass er – heilig, unschuldig, unbefleckt196 und voller Gnade und Wahrheit197 – völlig ausgerüstet sei, um das Amt des Mittlers und Bürgen auszuführen.198 Er hatte dieses Amt nicht selbst ergriffen, sondern wurde von seinem Vater dazu berufen.199 Dieser hat ihm auch alle Macht und alles Gericht in die Hand gegeben und ihn beauftragt, diese auszuführen.200
193 Joh 3,34; Apg 10,38
194 Kol 2,3
195 Kol 1,19
196 Hebr 7,26
197 Joh 1,14
198 Hebr 7,22
199 Hebr 5,5
200 Joh 5,22+27; Mt 28,18; Apg 2,36
9.4 Christi Leiden und Verherrlichung
Dieses Amt hat der Herr Jesus völlig freiwillig angenommen.201 Um es auszuführen, wurde er unter das Gesetz getan.202 Er erfüllte es vollständig. Er erlitt die Strafe, die wir verdient haben, die wir erdulden und erleiden hätten sollen,203 indem er für uns zur Sünde und zum Fluch gemacht wurde.204 Er erduldete die bittersten Qualen an seiner Seele und die schmerzhaftesten Leiden an seinem Leib.205 Er wurde gekreuzigt und starb. Er blieb im Zustand des Todes, aber verweste nicht.206 Am dritten Tag ist er mit demselben Leib, in dem er gelitten hatte,207 von den Toten auferstanden,208 mit diesem fuhr er auch in den Himmel auf,209 sitzt dort zur Rechten seines Vaters und legt Fürsprache ein.210 Von dort wird er wiederkommen, um Menschen und Engel am Ende der Welt zu richten.211
201 Ps 40,7-9; Hebr 10,5-11; Joh 10,18
202 Gal 4,4; Mt 3,15
203 Gal 3,13; Jes 53,6; 1Petr 3,18
204 2Kor 5,21
205 Mt 26,37-38; Lk 22,44; Mt 27,46
206 Apg 13,37
207 Joh 20,25+27
208 1Kor 15,3-4
209 Mk 16,19; Apg 1,9-11
210 Röm 8,34; Hebr 9,24
211 Apg 10,42; Röm 14,9-10; Apg 1,10
9.5 Christi Opfer
Durch seinen vollkommenen Gehorsam und das Opfer seiner selbst, das er durch den ewigen Geist ein für alle Mal Gott darbrachte, hat der Herr Jesus der Gerechtigkeit Gottes völlige Genüge geleistet.212 Damit hat er die Versöhnung bewirkt und ein ewiges Erbe im Himmelreich für alle diejenigen erworben, welche ihm der Vater gegeben hat.213
212 Hebr 9,14; 10,14; Röm 3,25-26
213 Joh 17,2; Hebr 9,15
9.6 Christi Werk gilt auch für die Gläubigen des Alten Bundes
Obwohl der Preis für die Erlösung von Christus vor seiner Menschwerdung nicht wirklich bezahlt worden war, so hatten die Erwählten doch teil an dessen Geltung, Wirksamkeit und Nutzen zu allen aufeinanderfolgenden Zeiten seit Beginn der Welt, in und durch jene Verheißungen, Vorbilder und Opfer, in denen er geoffenbart wurde und die darauf hindeuteten, dass er der Nachkomme sei, der den Kopf der Schlange zertreten sollte,214 und das Lamm, das schon immer von Gott als Opfer vorgesehen war,215 derselbe gestern und heute und in Ewigkeit.216
214 1Petr 1,10-11; Hebr 11,13-16; Röm 3,25-26
215 Offb 13,8
216 Hebr 13,8
9.7 Christi Mittleramt nach beiden Naturen
Christus handelt im Werk der Mittlerschaft nach beiden Naturen, durch jede Natur so, wie es ihr selbst entspricht;217 doch wegen der Einheit der Person wird in der Schrift manchmal das, was zur einen Natur gehört, der Person zugeschrieben, die als die andere Natur bezeichnet wird.218
217 Hebr 9,14; 1Petr 3,18
218 Joh 3,13; Apg 20,28; 1Joh 3,16
9.8 Christus und die Gläubigen
Auf all diejenigen, für welche Christus die ewige Erlösung erworben hat, wendet er sie sicher und wirksam an und lässt sie daran teilhaben.219 Dabei tritt er für sie als Fürsprecher ein, vereint sie durch seinen Geist mit sich selbst, offenbart ihnen in und durch sein Wort das Geheimnis der Erlösung, bringt sie dazu, zu glauben und gehorsam zu sein,220 regiert ihre Herzen durch sein Wort und seinen Geist221 und überwindet durch seine allmächtige Kraft und Weisheit alle ihre Feinde.222 Dies tut er auf eine Art und Weise, die völlig seiner wunderbaren und unerforschlichen Fügung entspricht, und sämtlich aus freier und vollkommener Gnade, ohne dass irgendeine Voraussetzung, um die Gnade herbei zu führen, in den Erlösten vorhergesehen wurde.223
219 Joh 6,37+39; Joh 10,15-16
220 Joh 17,6; Eph 1,9; 1Joh 5,20
221 Röm 8,9+14
222 Ps 110,1; 1Kor 15,25-26
223 Joh 3,8; Eph 1,8
9.9 Kein Mensch kann Christi Amt ausführen
Dieses Amt des Mittlers zwischen Gott und Menschen hat allein Christus inne, denn er ist der Prophet, Priester und König der Gemeinde Gottes. Es darf weder ganz noch teilweise von ihm auf irgendjemand anderen übertragen werden.224
224 1Tim 2,5
9.10 Christus ist König, Priester und Prophet
Diese Anzahl und Anordnung von Ämtern ist notwendig, denn hinsichtlich unserer Unwissenheit brauchen wir sein prophetisches Amt,225 hinsichtlich unserer Entfremdung von Gott und der Unvollkommenheit selbst unserer besten Dienste brauchen wir sein priesterliches Amt, um uns zu versöhnen und uns Gott annehmbar darzustellen;226 hinsichtlich unserer Abneigung und vollkommenen Unfähigkeit, zu Gott umzukehren, und zu unserem Schutz und unserer Sicherheit vor unseren geistlichen Feinden brauchen wir sein königliches Amt, damit er uns überführt, unterwirft, zu sich zieht, aufrecht erhält, rettet und für sein himmlisches Königreich bewahrt.227
225 Joh 1,18
226 Kol 1,21; Gal 5,17
227 Joh 16,8; Ps 110,3; Lk 1,74-75
Katechismus zu Artikel 9
Weil wir denn nach dem gerechten Urteil Gottes zeitliche und ewige Strafe verdient haben, wie möchten wir dieser Strafe entgehen und wiederum zu Gnaden kommen?
Gott will, dass seiner Gerechtigkeit genug geschehe; deswegen müssen wir derselben entweder durch uns selbst oder durch einen anderen vollkommene Bezahlung tun.
Können wir aber durch uns selbst Bezahlung tun?
Mitnichten; sondern wir machen auch die Schuld noch täglich größer.
Kann aber irgendeine bloße Kreatur für uns bezahlen?
Keine; denn erstlich will Gott an keiner anderen Kreatur strafen, was der Mensch verschuldet hat; zum andern, so kann auch keine bloße Kreatur die Last des ewigen Zornes Gottes wider die Sünde ertragen und andere davon erlösen.
Was müssen wir denn für einen Mittler und Erlöser suchen?
Einen solchen, der ein wahrer und gerechter Mensch und doch stärker denn alle Kreaturen, das ist, zugleich wahrer Gott sei.
Warum muss er ein wahrer und gerechter Mensch sein?
Darum, dass die Gerechtigkeit Gottes erfordert, dass die menschliche Natur, die gesündigt hat, für die Sünde bezahle; aber einer, der selber ein Sünder wäre, nicht könnte für andere bezahlen.
Warum muss er zugleich wahrer Gott sein?
Auf dass er aus Kraft seiner Gottheit die Last des Zornes Gottes an seiner Menschheit ertragen und uns die Gerechtigkeit und das Leben erwerben und wiedergeben möchte.
Wer ist aber derselbe Mittler, der zugleich wahrer Gott und ein wahrer, gerechter Mensch ist?
Unser Herr Jesus Christus, der uns zur vollkommenen Erlösung und Gerechtigkeit geschenkt ist.
Artikel 10 – Vom freien Willen
10.1 Die natürliche Freiheit
Gott hat den Willen des Menschen mit einer solchen Freiheit ausgerüstet, dass er
weder zum Guten oder Bösen gezwungen, noch durch irgendeine absolute
natürliche Notwendigkeit begrenzt worden ist.228
228 Mt 17,12; Jak 1,14
10.2 Der Wille im Stand der Unschuld
In seinem Stand der Unschuld besaß der Mensch die Freiheit und Kraft, das zu
wollen und zu tun, was gut und wohlgefällig vor Gott ist;229 dies jedoch veränderlich, sodass die Möglichkeit gegeben war, auch davon abzufallen.230
229 Pred 7,29; 1Mo 1,26
230 1Mo 2,16-17: 1Mo 3,6
10.3 Der Wille im Stand der Schuld
Durch seinen Fall in den Stand der Sünde hat der Mensch alle mit seiner Erlösung
verbundene Fähigkeit verloren, das geistlich Gute zu wollen.231 Deshalb ist der
natürliche, völlig von diesem Guten abgewandte, 232 in Sünden tote Mensch233
unfähig, sich durch eigene Kraft selbst zu bekehren oder sich selbst darauf
vorzubereiten.234
231 Röm 5,6; 8,7; Joh 15,5
232 Röm 3,10+12
233 Eph 2,1+5; Kol 2,13
234 Joh 6,44+65; Eph 2,2-4; 1Kor 2,14; Tit 3,3-5
10.4 Die Befreiung des Willens
Wenn Gott einen Sünder bekehrt und ihn in den Stand der Gnade versetzt, befreit er ihn von seiner angeborenen Versklavung unter die Sünde235 und macht ihn durch seine Gnade allein fähig, frei das zu wollen und zu tun was geistlich gut ist,236 jedoch so, dass er aufgrund seiner verbleibenden Verderbnis nicht vollkommen oder ausschließlich das will was gut ist, sondern auch das, was böse ist.237
235 Kol 1,13; Joh 8,34+36
236 Phil 2,13; Röm 6,18+22
237 Gal 5,17; Röm 7,15+18+19+21+23
10.5 Der Wille im Stand der Herrlichkeit
Der Wille des Menschen wird erst im Stand der Herrlichkeit völlig und unveränderlich dazu befreit sein, um nur das Gute zu tun.238
238 Eph 4,13; Hebr 12,23; 1Joh 3,2; Jud 24
Katechismus zu Artikel 10
Ist der Willen des Menschen frei das Gute und Gott Wohlgefällige zu suchen?
Wenn Gott einen Sünder bekehrt und ihn in den Stand der Gnade versetzt, befreit er ihn von seiner angeborenen Versklavung unter die Sünde und macht ihn durch seine Gnade allein fähig, frei das zu wollen und zu tun was geistlich gut ist, jedoch so, dass er aufgrund seiner verbleibenden Verderbnis nicht vollkommen oder ausschließlich das will was gut ist, sondern auch das, was böse ist.
Artikel 11 – Von der wirksamen Berufung
11.1 Die Vorherbestimmung
Es gefällt Gott, diejenigen, die er zum Leben vorherbestimmt hat, zu der von ihm
bestimmten und ihm angenehmen Zeit wirksam durch sein Wort und seinen Geist239 aus dem Stand der Sünde und des Todes, in dem sie von Natur aus sind, zur Gnade und Erlösung durch Jesus Christus240 zu berufen,241 indem er ihren Verstand geistlich und zum Heil erleuchtet, damit sie die göttlichen Dinge verstehen können;242 indem er ihr steinernes Herz wegnimmt und ihnen ein fleischernes Herz gibt.243 Dadurch erneuert er ihren Willen und bestimmt sie durch seine allmächtige Kraft zum Guten, lenkt sie dorthin und legt sie darauf fest,244 und er zieht sie wirksam zu Jesus Christus,245 doch so, dass sie völlig freiwillig kommen, da sie durch seine Gnade dazu gebracht worden sind, es selbst zu wollen.246
239 2Thess 2,13-14; 2Kor 3,3+6
240 Röm 8,2; Eph 2,1-5; 2Tim 1,9-10
241 Röm 8,30; 11,7; Eph 1,10-11
242 Apg 26,18; 1Kor 2,10-12; Eph 1,17-18
243 Hes 36,26
244 Hes 11,19; Phil 2,13; 5Mo 30,6; Hes 36,27
245 Eph 1,19; Joh 6,44+45
246 Joh 6,37; Röm 6,16-18
11.2 Die wirksame Berufung
Diese wirksame Berufung stammt allein von Gottes freier und besonderer Gnade,
ganz und gar nicht von irgendetwas was im Menschen vorausgesehen war,247 der darin ganz passiv ist, bis er – durch den Heiligen Geist belebt und erneuert248 – dadurch befähigt ist seiner Berufung zu folgen und die darin angebotene und vermittelte Gnade zu empfangen.249
247 2Tim 1,9; Tit 3,4-5; Eph 2,4-5+8-9; Röm 9,11;
248 1Kor 2,14; Röm 8,7; Eph 2,5
249 Joh 6,37; Hes 36,27; Joh 5,25
11.3 Die Verlorenen
Die, welche nicht erwählt sind, kommen, obwohl sie durch den Dienst des Wortes
berufen werden250 und einige allgemeine Wirkungen des Geistes haben mögen,251 doch niemals wirklich zu Christus und können deswegen nicht gerettet werden.252 Viel weniger können Menschen, die den christlichen Glauben nicht bekennen, auf irgendeine andere Weise gerettet werden, seien sie auch noch so fleißig ihr Leben nach der natürlichen Offenbarung und den Vorschriften der Religion, die sie bekennen, einzurichten.253 Die Behauptung, sie könnten doch gerettet werden, ist sehr schädlich und zu verwerfen.254
250 Mt 22,14
251 Mt 7,22-23; 13,20+21; Hebr 6,4-6
252 Joh 6,64-66; 8,24
253 Apg 4,12; Joh 14,6; Eph 2,12; Joh 4,22; Joh 17,3
254 2Joh 9-11; 1Kor 16,22; Gal 1,6-8
Katechismus zu Artikel 11
Woher weißt du, dass du berufen bist?
Es ist mein Wille das zu tun was Gott wohlgefällig ist und ihm Ehre und Freude
bereitet. Ich strebe mit meinem Verstand danach Gottes Größe immer tiefer zu
begreifen und erfreue mich an der Zuversicht mein Heil in ihm zu haben.
Artikel 12 – Von der Rechtfertigung
12.1 Die Rechtfertigung durch Christi Gerechtigkeit
Diejenigen, die Gott wirksam beruft, die rechtfertigt er auch aus Gnaden,255 nicht indem er sie mit Gerechtigkeit erfüllt, sondern dadurch, dass er ihre Sünden vergibt und ihre Personen als gerecht erachtet und sie annimmt, nicht wegen irgendetwas, was in ihnen bewirkt oder von ihnen getan worden ist, sondern um Christi willen allein. Weder der Glaube selbst, nämlich der Glaubensakt, noch irgendein anderer evangelischer Gehorsam (wie die Umkehr zu Christus), wird ihnen als Gerechtigkeit angerechnet. 256 Vielmehr erfolgt die Rechtfertigung dadurch, dass ihnen die Gerechtigkeit und die Sühne Christi angerechnet wird, wobei sie sich auf ihn und seine Gerechtigkeit verlassen und diese durch den Glauben empfangen; solch einen Glauben haben sie jedoch nicht aus sich selbst – er ist ein Geschenk Gottes. 257
255 Röm 3,24; 8,30
256 Röm 3,22+24-25+27-28; 4,5-8; 2Kor 5,19+21; Tit 3,5-7; Eph 1,7; Jer 23,6; 1Kor 1,30-31;
Röm 5,17-19
257 Apg 10,44; Gal 2,16; Phil 3,9; Apg 13,38-39; Eph 2,7-8
12.2 Rechtfertigung und lebendiger Glaube
Der Glaube, nämlich Christus aufzunehmen und auf ihn und seine Gerechtigkeit zu vertrauen, 258 ist das einzige Mittel der Rechtfertigung. Doch er ist in der
gerechtfertigten Person nicht allein, sondern immer vereint mit allen anderen
heilsamen Gnadengaben; so ist er kein toter Glaube, sondern ein Glaube der durch die Liebe tätig ist.259
258 Joh 1,12; Röm 3,28; 5,1
259 Jak 2,17+22+26; Gal 5,6
12.3 Rechtfertigung allein aus Gnade
Durch seinen Gehorsam und Tod hat Christus die Schuld all jener völlig getilgt, die so gerechtfertigt sind. Zu ihren Gunsten leistete er der Gerechtigkeit seines Vaters einen gemessene, wirkliche und völlige Genugtuung.260 Doch insofern, als er von seinem Vater dahingegeben261 und sein Gehorsam und seine Sühne an ihrer statt angenommen wurde,262 und beides freiwillig und wegen keiner Ursache in ihnen geschah, ist ihre Rechtfertigung allein Sache der freien Gnade.263 Deshalb soll in der Rechtfertigung des Sünders beides, die strikte Gerechtigkeit wie auch die reiche Gnade Gottes, verherrlicht werden.264
260 Röm 5,8-10+19; 1Tim 2,5-6; Hebr 10,10+14; Dan 9,24+26; Jes 53,4-6+10-12;
261 Röm 8,32
262 2Kor 5,21; Mt 3,17; Eph 5,2
263 Röm 3,14; Eph 1,7
264 Röm 3,26; Eph 2,7
12.4 Erwählung und Zueignung
Gott hat von aller Ewigkeit her beschlossen, alle Erwählten zu rechtfertigen;265 so ist Christus in der Fülle der Zeit für ihre Sünden gestorben und um ihrer Rechtfertigung willen wieder auferstanden266 – trotzdem sind sie nicht gerechtfertigt, bis der Heilige Geist zu seiner Zeit ihnen Christus wirklich zueignet.267
265 Gal 3,8; 1Petr 1,2+19-20; Röm 8,30
266 Röm 4,25; Gal 4,4; 1Tim 2,6
267 Kol 1,21-22; Gal 2,16; Tit 3,4-7
12.5 Sünde im Leben der Erwählten
Gott hört nicht auf, denjenigen, die gerechtfertigt sind die Sünden zu vergeben.268 Und obwohl sie aus dem Stand der Rechtfertigung nie mehr fallen können,269 so können sie doch durch ihre Sünden unter Gottes väterliches Missfallen geraten. Dabei haben sie nicht eher das Licht seines gnädigen Angesichts wieder über sich, bevor sie sich nicht selbst demütigen, ihre Sünden bekennen, um Vergebung bitten und ihren Glauben durch Umkehr erneuern.270
268 Mt 6,12; 1Joh 1,7+9; 1Joh 2,1-2
269 Lk 22,32; Joh 10,28; Hebr 10,14
270 Ps 32,5; 51,9-14 ; 89,31-33; Mt 26,75; 1Kor 11,30+32; Lk 1,20
12.6 Rechtfertigung im Alten Testament
Die Rechtfertigung der Gläubigen im Alten Testament war in jeder Hinsicht ein und dieselbe wie die Rechtfertigung der Gläubigen im Neuen Testament.271
271 Gal 3,9+13-14; Röm 4,22-24; Hebr 13,8
Katechismus zu Artikel 12
Wie bist du gerecht vor Gott?
Allein durch Glauben an Jesus Christus. Zwar klagt mich mein Gewissen an, dass ich gegen alle Gebote Gottes schwer gesündigt und keines je gehalten habe und noch immer zu allem Bösen geneigt bin. Gott aber schenkt mir ganz ohne meinen
Verdienst aus lauter Gnade die vollkommene Genugtuung, Gerechtigkeit und
Heiligkeit Christi. Er rechnet sie mir an, als hätte ich nie eine Sünde begangen noch gehabt und selbst den ganzen Gehorsam vollbracht, den Christus für mich geleistet hat, wenn ich allein diese Wohltat mit gläubigem Herzen annehme.
Warum sagst du, dass du allein durch den Glauben gerecht bist?
Ich gefalle Gott nicht deswegen, weil mein Glaube ein verdienstvolles Werk wäre.
Allein die Genugtuung, Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi ist meine Gerechtigkeit vor Gott. Ich kann sie nicht anders als durch den Glauben annehmen und mir zueignen.
Artikel 13 – Von der Annahme zur Kindschaft
All denen, die gerechtfertigt sind, gewährt Gott in seinem einzigen Sohn Jesus Christus, und um seinetwillen, an der Gnade der Kindschaft (im Sinn einer Adoption) teilzuhaben.272 Dadurch werden sie Kinder Gottes und genießen die entsprechenden Freiheiten und Vorrechte;273 Gottes Name wird auf sie gelegt,274 sie empfangen den Geist der Kindschaft275 und haben mit aller Zuversicht Zutritt zum Thron der Gnade;276 sie sind befähigt, „Abba, Vater!“277 zu rufen und werden durch ihn wie von einem Vater in Erbarmen gehüllt,278 geschützt,279 umsorgt280 und gezüchtigt.281 Doch niemals werden sie verstoßen,282 sondern sie sind versiegelt283 auf den Tag der Erlösung und ererben die Verheißungen284 als Erben des ewigen Heils.285
272 Eph 1,5; Gal 4,4-5
273 Röm 8,17; Joh 1,12
274 Jer 14,9; 2Kor 6,18; Offb 3,12
275 Röm 8,15
276 Eph 3,12; Röm 5,2
277 Gal 4,6
278 Ps 103,13
279 Spr 14,26
280 Mt 6,30+32; 1Petr 5,7
281 Hebr 12,6
282 Klgl 3,31
283 Eph 4,30
284 Hebr 6,12
285 1Petr 1,3-4; Hebr 1,14
Katechismus zu Artikel 13
Woher weißt du, dass Gott der Herr dich als sein Kind angenommen hat?
In seinem eindeutigen und unveränderlichen Wort, der Bibel, werden wir an verschiedenen Stellen als Gottes Kinder bezeichnet. So haben wir durch Jesus Christus den Geist der Sohnschaft empfangen.286
286 Röm 8,15; Gal 4,6
Artikel 14 – Von der Heiligung
14.1 Wahre Heiligung
Diejenigen, die wirksam berufen und wiedergeboren sind, besitzen ein neues Herz und einen neuen Geist, beides in ihnen neu geschaffen. Sie werden weiterhin wirklich und persönlich geheiligt287 durch die Kraft des Todes und der Auferstehung Christi, durch sein Wort und seinen Geist, der in ihnen wohnt.288 Dabei wird die Herrschaft der Sünde gebrochen289 und die verschiedenen Begierden mehr und mehr geschwächt und getötet.290 So werden sie mehr und mehr erweckt und gestärkt291 durch all jene Gnadengaben, die zum Heil führen, damit sie wahre Heiligkeit ausleben, ohne die kein Mensch den Herrn sehen wird.292
287 1Kor 6,11; Apg 20,32; Phil 3,10; Röm 6,5-6
288 Joh 17,17; Eph 5,26; 2Thess 2,13
289 Röm 6,6+14
290 Gal 5,24; Röm 8,13
291 Kol 1,11; Eph 3,16-19
292 2Kor 7,1; Hebr 12,14
14.2 Die Heiligung bleibt im Diesseits unvollkommen
Diese Heiligung erstreckt sich auf den ganzen Menschen,293 doch ist sie in diesem Leben unvollkommen; denn es verbleiben in allen Bereichen noch einige Reste an Verderbnis.294 Daraus entspringt ein fortwährender und unversöhnlicher Kampf, da das Fleisch gegen den Geist aufbegehrt und der Geist gegen das Fleisch. 295
293 1Thess 5,23
294 1Joh 1,10; Röm 7,18+23; Phil 3,12
295 Gal 5,17; 1Petr 2,11
14.3 Das Wachstum in der Heiligung
Obwohl in diesem Kampf die verbliebene Verderbnis eine Zeit lang auch vorherrschen mag,296 so gewinnt doch der wiedergeborene Teil durch die unaufhörliche Kraftzufuhr von dem heiligmachenden Geist Christi die Oberhand;297 und so wachsen die Heiligen in der Gnade,298 indem sie ihre Heiligkeit in der Furcht Gottes vervollkommnen.299
296 Röm 7,23
297 Röm 6,14; 1Joh 5,4; Eph 4,15-16
298 2Petr 3,18; 2Kor 3,18
299 2Kor 7,1
Katechismus zu Artikel 14
Wie wirst du heilig und wie sieht Heiligung im Alltag aus?
Gott ist es, der mich durch ein neues Herz und einen neuen Geist zu einem heiligen Lebenswandel befähigt. Durch sein Wort und seinen Geist, der in mir wohnt, versetzt er mich in die Lage in der Heiligung weiter voran zu schreiten.
Trotz des Einflusses der Sünde in meinem Leben, gewinnt doch der wiedergeborene Teil durch die unaufhörliche Kraftzufuhr von dem heiligmachenden Geist Christi die Oberhand und führt zu einem immer Gott wohlgefälligeren Lebenswandel.
Artikel 15 – Vom rettenden Glauben
15.1 Die Gnade des Glaubens
Die Gnadengabe des Glaubens, wodurch die Erwählten befähigt werden zum Heil ihrer Seelen zu glauben,300 ist das Werk des Geistes Christi in ihren Herzen;301 nach der Ordnung Gottes bewirkt durch den Dienst des Wortes.302 Diese Gnadengabe wächst und wird gefestigt durch das Wort und Gebet.303
300 Hebr 10,39
301 2Kor 4,13; Eph 1,17-19; 2,8
302 Röm 10,14+17
303 1Petr 2,2; Apg 20,32; Röm 4,11; Lk 17,5; Röm 1,16-17
15.2 Der Glaube, das Wort Gottes und die Annahme Christi
Wegen der Autorität Gottes, der darin spricht,304 hält ein Christ durch diesen Glauben für wahr, was auch immer im Wort geoffenbart ist und handelt danach auf verschiedene Art und Weise, je nachdem, was die einzelnen Schriftstellen beinhalten; so leistet er den Geboten Gehorsam,305 nimmt mit Erschrecken die Drohungen wahr306 und ergreift die Verheißungen Gottes für dieses und das zukünftige Leben.307 Der aktive, rettende Glaube gewinnt seine wichtigste Bedeutung darin, dass er Christus annimmt, ihn aufnimmt und in ihm allein zur Rechtfertigung, Heiligung und zum ewigen Leben aufgrund des Gnadenbundes Ruhe findet.308
304 Joh 4,42; 1Thess 2,13; 1Joh 5,10; Apg 24,14
305 Röm 16,26
306 Jes 66,2
307 Hebr 11,13; 1Tim 4,8
308 Joh 1,12; Apg 16,31; Gal 2,20; Apg 15,11
15.3 Das Wachstum des Glaubens
Dieser Glaube weist verschiedene Grade auf, ob schwach oder stark;309 er kann oft und auf verschiedene Art und Weise angefochten und geschwächt sein, behält jedoch am Ende den Sieg.310 So wächst er in vielen bis zur Entfaltung einer vollen Gewissheit durch Christus,311 welcher der „Anfänger und Vollender“ unseres Glaubens ist.312
309 Hebr 5,13-14; Röm 4,19-20; Mt 6,30; Mt 8,10
310 Lk 22,31-32; Eph 6,16; 1Joh 5,4-5
311 Hebr 6,11-12; Hebr 10,22; Kol 2,2
312 Hebr 12,2
Katechismus zu Artikel 15
Was ist wahrer Glaube?
Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis, durch welche ich alles für wahr halte was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, sondern auch ein herzliches Vertrauen, welches der Heilige Geist durch das Evangelium in mir wirkt, dass nicht allein anderen, sondern auch mir Vergebung der Sünden, ewige Gerechtigkeit und Seligkeit von Gott geschenkt ist, aus lauter Gnade, allein um des Verdienstes Christi willen.
Wie äußert sich dieser Glaube?
Der aktive, rettende Glaube gewinnt seine wichtigste Bedeutung darin, dass er Christus annimmt, ihn aufnimmt und in ihm allein zur Rechtfertigung, Heiligung und zum ewigen Leben aufgrund des Gnadenbundes Ruhe findet.
Artikel 16 – Von der Buße zum Leben
16.1 Die Buße zum Leben muss verkündigt werden
Die Buße zum Leben ist eine Gnadengabe;313 die Lehre davon muss von jedem Diener des Evangeliums gepredigt werden, ebenso wie die vom Glauben an Christus.314
313 Sach 12,10; Apg 11,18
314 Lk 24,47; Mk 1,15; Apg 20,21
16.2 Was ist Buße?
In der Buße ist ein Sünder dermaßen schmerzlich über seine Sünde betroffen und hasst sie so sehr, dass er sich davon abkehrt und Gott zuwendet. Dies geschieht sowohl deshalb, weil er die Gefahr der Sünden erkennt und auch das Widerwärtige und Ekelhafte der Sünden empfindet, die dem heiligen Wesen Gottes und seinem gerechten Gesetz widersprechen; als auch deshalb, weil die Barmherzigkeit in Christus nur von denen wahrgenommen wird, die beschämt umkehren.315 Daraus folgt, dass er beabsichtigt und sich bemüht, mit Gott nach der Richtlinie seiner Gebote zu leben.316
315 Hes 18,30-31; 36,31; 2Kor 7,11; Jer 31,18-19
316 Ps 119,6+59+106; Lk 1,6; 2Kön 23,25
16.3 Die Notwendigkeit der Buße
Obwohl man sich nicht auf die Buße verlassen soll, als würde sie die Sünde tilgen oder irgendwie deren Vergebung verursachen,317 was doch ein Werk von Gottes freier Gnade in Christus ist,318 so ist sie doch für alle Sünder dermaßen unentbehrlich, dass ohne sie niemand Vergebung erwarten darf.319
317 Hes 36,31-32; 16,61-63
318 Röm 3,24; Eph 1,7
319 Lk 13,3+5; Apg 17,30-31
16.4 Keine Sünde ist zu groß
So wie keine Sünde zu geringfügig ist, als dass sie keine Verdammnis verdienen würde,320 so ist keine Sünde zu groß, als dass sie über die Verdammnis bringen könnte, die aufrichtig bereuen.321
320 Röm 6,23; 5,12; Mt 12,36
321 Jes 55,7; Röm 8,1; Jes 1,16+18
16.5 Die ständige Buße
Die Menschen sollten sich nicht mit einer allgemeinen Buße zufriedengeben, sondern es ist Pflicht jedes Menschen umso mehr nach der Abkehr von einzelnen Sünden zu streben.322
322 Lk 19,8; 1Tim 1,13+15
16.6 Sünde muss bekannt werden
Einerseits ist jeder Mensch verpflichtet seine Sünden persönlich Gott zu bekennen und um deren Vergebung zu bitten,323 wobei er, wenn er sie meidet, Barmherzigkeit finden wird.324 Wer an seinem Bruder schuldig geworden ist oder in der Gemeinde Christi Anstoß erregt hat, soll andererseits bereit sein den Betroffenen gegenüber seine Reue zu bezeugen. Dies soll durch ein privates oder öffentliches Bekenntnis und ein aufrichtiges Bedauern über seine Sünden geschehen;325 daraufhin sollen sich diejenigen, die verletzt worden sind, mit ihm versöhnen und ihn in Liebe aufnehmen326.
323 Ps 51,6+7+9+11+16
324 Spr 28,13; 1Joh 1,9
325 Ps 51; Jak 5,16; Lk 17,3-4; Jos 7,19
326 2Kor 2,8
Katechismus zu Artikel 16
Was ist Buße?
In der Buße ist ein Sünder dermaßen schmerzlich über seine Sünde betroffen und hasst sie so sehr, dass er sich davon abkehrt und Gott zuwendet.
Ist die Buße ein einmaliger Akt?
Nein! Auch wenn Christus durch seinen Opfertod alle meine Sünden getilgt hat, bin ich doch nicht frei von meinem sündigen Wesen, solange ich in dieser Welt lebe. Der Schmerz und der Ekel über die Sünde hören nicht auf, solange die Sünde selbst gegenwärtig ist. Und so bleibt die Abkehr von Sünde und die Hinwendung zu Gott Bestandteil meines Lebens.
Artikel 17 – Von den guten Werken und ihrem Lohn
17.1 Gott allein bestimmt was gute Werke sind
Gute Werke sind allein die, welche Gott in seinem heiligen Wort geboten hat,327 und nicht solche, die ohne dessen Vollmacht von Menschen aus blindem Eifer oder unter irgendeinem Vorwand guter Absichten erfunden worden sind.328
327 Mi 6,8; Röm 12,2; Hebr 13,21
328 Mt 15,9; Jes 29,13; 1Petr 1,18; Röm 10,2; Joh 16,2; 1Sam 15,21-23
17.2 Die Bedeutung der guten Werke der Christen
Diese guten Werke, getan im Gehorsam gegen Gottes Gebote, sind die Früchte und sichtbaren Folgen eines wahren und lebendigen Glaubens.329 Durch sie bringen die Gläubigen ihre Dankbarkeit zum Ausdruck,330 bekräftigen ihre Gewissheit,331 fördern ihre Brüder,332 zieren das Bekenntnis des Evangeliums,333 stopfen Gegnern den Mund334 und verherrlichen Gott;335 denn sie sind dessen Werkzeuge, dazu geschaffen in Christus Jesus,336 um als solche, die ihre Frucht in Heiligkeit bringen, zum Schluss das ewige Leben zu empfangen.337
329 Jak 2,18-20+22
330 Ps 116,12-13; 1Petr 2,9
331 1Joh 2,3+5; 2Petr 1,5-10
332 2Kor 9,2; Mt 5,16
333 Tit 2,5+9-12; 1Tim 6,1
334 1Petr 2,15
335 1Petr 2,12; Phil 1,11; Joh 15,8
336 Eph 2,10
337 Röm 6,22
17.3 Der Heilige Geist und die guten Werke
Ihre Fähigkeit Gutes zu tun stammt keineswegs von ihnen selbst, sondern gänzlich vom Geist Christi.338 Damit sie dazu befähigt werden, ist neben den bereits empfangenen Gnadengaben ein direkter Einfluss desselben Heiligen Geistes erforderlich, um in ihnen das Wollen und das Vollbringen nach seinem Wohlgefallen zu wirken.339 Doch dürfen sie dadurch nicht nachlässig werden, als ob sie keinerlei Aufgaben zu erfüllen hätten, außer auf ein besonderes Zeichen des Geistes340 hin; sondern sie sollen eifrig die Gnade Gottes entfachen, die in ihnen ist.341
338 Joh 15,4-6; Hes 36,26-27
339 Phil 2,13; 4,13; 2Kor 3,5
340 Mit den Zeichen ist nicht ein schwärmerisches oder in erster Linie spektakuläres Eingreifen Gottes gemeint, sondern Gott gebraucht Ursachen und Umstände unseres Lebens um uns zu leiten
341 Phil 2,12; Hebr 6,11-12; 2Petr 1,3+5+10-11; Jes 64,6; 2Tim 1,6; Apg 26,6-7; Jud 20-21
17.4 Die Unvollkommenheit der guten Werke
Diejenigen, welche in ihrem Gehorsam die höchste Stufe erreichen, die in diesem Leben möglich ist, sind weit davon entfernt über das Pflichtmaß hinauszugehen und mehr zu tun, als Gott verlang. Vielmehr bleiben sie bei weitem hinter dem zurück, was sie zu tun schuldig sind.342
342 Lk 17,10; Neh 13,22; Hi 9,2-3; Gal 5,17
17.5 Gute Werke sind kein Verdienst
Auch mit unseren besten Werken können wir nicht Vergebung der Sünden oder ewiges Leben bei Gott verdienen, wegen des großen Missverhältnisses zwischen ihnen und der kommenden Herrlichkeit, wie auch des unendlichen Abstands zwischen uns und Gott. Ihm können wir weder Nutzen schaffen noch für unsere zurückliegenden Sünden Sühne leisten,343 sondern wenn wir alles was wir können getan haben, haben wir nichts als unsere Pflicht getan und sind unnütze Knechte.344 Sind die Werke gut, so gehen sie vom Geist aus;345 werden sie aber von uns hervorgebracht, so sind sie mit so viel Schwachheit und Unvollkommenheit belastet und vermengt, dass sie vor der Strenge des göttlichen Gerichts nicht bestehen können.346
343 Röm 3,20; 4,2+4+6; 8,18; Eph 2,8-9; Tit 3,5-7; Ps 16,2; Hi 22,2-3; 35,7-8
344 Lk 17,10
345 Gal 5,22-23
346 Jes 64,6; Gal 5,17; Röm 7,15+18; Ps 143,2; 130,3
17.6 Gott nimmt die Werke in Christus an
Da die Personen der Gläubigen durch Christus dennoch angenommen sind,347 sind ihre guten Werke ebenfalls in ihm angenommen; nicht als ob sie in diesem Leben gänzlich untadelig und unsträflich in Gottes Augen wären.348 Vielmehr sieht er sie in seinem Sohn und lässt es sich gefallen das anzunehmen und zu belohnen, was aufrichtig ist, auch wenn es mit viel Schwachheit und Unvollkommenheit verbunden ist.349
347 Eph 1,6; 1.Petr 2,5; 2Mose 28,38
348 Hi 9,20; Ps 143,2
349 Hebr 6,10; 13,20-21; 2.Kor 8,12; Mt 25,21.23
17.7 Werke nichtwiedergeborener Menschen
Werke von nichtwiedergeborenen Menschen mögen ihrem Tatbestand nach Dinge sein, die Gott gebietet und für sie selbst und andere von gutem Nutzen sein;350 doch sind sie weder in der rechten Weise – nämlich in Übereinstimmung mit dem Wort -, noch in der rechten Absicht351 – nämlich zur Ehre Gottes352 – getan worden, weil sie nicht von einem durch den Glauben gereinigten Herzen ausgehen.353 Deshalb sind diese Werke sündig und können Gott nicht gefallen oder einen Menschen würdig machen, um Gnade von Gott zu empfangen.354 Und doch ist es noch sündiger und verwerflich vor Gott sie zu unterlassen.355
350 2Kön 10,30-31; 1Kön 21,27+29; Phil 1,15-16+18
351 1Kor 13,3; Jes 1,12
352 Mt 6,2+5+16
353 Vgl. 1Mo 4,5 mit Hebr 11,4+6
354 Hag 2,14; Tit 1,15; Amos 5,21-22; Hos 1,4; Röm 9,16; Tit 3,5
355 Ps 14,4; 36,3; Hi 21,14-15; Mt 23,23; 25,41-43+45
Katechismus zu Artikel 17
Warum können denn unsere guten Werke uns nicht ganz oder teilweise vor Gott gerecht machen?
Die Gerechtigkeit, die vor Gottes Gericht bestehen soll, muss vollkommen sein und dem göttlichen Gesetz ganz und gar entsprechen. Aber auch unsere besten Werke sind in diesem Leben alle unvollkommen und mit Sünde befleckt.
Verdienen aber unsere guten Werke nichts, obwohl Gott sie doch in diesem und dem zukünftigen Leben belohnen will?
Diese Belohnung geschieht nicht aus Verdienst, sondern aus Gnade.
Macht aber diese Lehre die Menschen nicht leichtfertig und gewissenlos?
Nein; denn es ist unmöglich, dass Menschen, die Christus durch wahren Glauben eingepflanzt sind, nicht Frucht der Dankbarkeit bringen.
Artikel 18 – Von dem Beharren der Heiligen im Glauben
18.1 Man kann nicht aus dem Stand der Gnade fallen
Diejenigen, die Gott in dem Geliebten angenommen, durch seinen Geist wirksam berufen und geheiligt hat und denen er den kostbaren Glauben seiner Erwählten gegeben hat, können weder ganz noch endgültig aus dem Stand der Gnade fallen, sondern werden darin gewiss bis ans Ende beharren und ewig errettet sein. Denn die Gnadengaben und Berufungen Gottes sind unwiderruflich, weshalb er in ihnen auch fortwährend Glauben, Buße, Liebe, Freude, Hoffnung und all die anderen Gnadengaben des Geistes zur Unsterblichkeit hervorbringt und fördert356. Und selbst wenn sich viele Stürme und Fluten erheben und auf sie einstürzen, sind diese doch nicht in der Lage sie von ihrem Fundament und Felsen zu stürzen, auf dem sie durch den Glauben befestigt sind. Dennoch kann durch Unglauben und die Versuchungen Satans die bewusste Wahrnehmung von Gottes Licht und Liebe eine Zeit lang vor ihnen verdunkelt und verborgen sein357, doch bleibt er derselbe, und sie sollen dessen gewiss sein, dass sie durch die Kraft Gottes zum Heil bewahrt bleiben, wo sie sich ihres erworbenen Eigentums erfreuen dürfen, die sie in seine Handflächen eingraviert sind und deren Namen von Ewigkeit her im Buch des Lebens geschrieben stehen358.
356 Joh 10,28-29; Phil 1,6; 2Tim 2,19
357 1Kor 11,32
358 Mal 3,6
18.2 Die Ursachen des Beharrens
Dieses Beharren der Heiligen beruht nicht auf ihrem eigenen freien Willen, sondern auf dem unveränderlichen Ratschluss der Erwählung359, der aus der freien und unwandelbaren Liebe Gottes des Vaters hervorkommt, auf der Wirksamkeit des Verdienstes und der Fürsprache Jesu Christi und der Einheit mit ihm360, dem Eid Gottes361, darauf, dass der Geist und der Same Gottes in ihnen bleibt362, und auf der Beschaffenheit des Gnadenbundes363. Aus all diesem entsteht auch die Gewissheit und Unfehlbarkeit desselben.
359 Röm 8,30; 9,16
360 Röm 5,9-10; Joh 14,19
361 Hebr 6,17-18
362 1Joh 3,9
363 Jer 32,40
18.3 Christen können in schwere Sünde fallen
Es kann zwar sein, dass sie durch die Versuchung Satans und der Welt, durch das Vorherrschen der in ihnen verbliebenen Verdorbenheit und durch den nachlässigen Gebrauch der Mittel für ihre Bewahrung in schwere Sünden fallen und eine Zeit lang darin verharren364, wodurch sie Gottes Missfallen erregen und seinen Heiligen Geist betrüben365, wodurch sie so weit kommen, dass ihre Gnaden und ihr Trost geschwächt werden366, wodurch ihre Herzen verhärtet und ihre Gewissen verletzt werden367, sie andere verletzen und bei ihnen Anstoß erregen und sie vorübergehende Strafen auf sich bringen368. Dennoch werden sie ihre Buße erneuern und durch Glauben an Christus Jesus bis zum Ende bewahrt bleiben369.
364 Mt 26,70+72+74
365 Eph 4,30
366 Ps 51,10+12
367 Ps 32,3-4
368 2Sam 12,14
369 Lk 22,32+61-62
Katechismus zu Artikel 18
Wie kannst du bis zum Ende ausharren und wie bekommst du die Kraft dazu?
Das Beharren der Heiligen beruht nicht auf ihrem eigenen freien Willen, sondern auf dem unveränderlichen Ratschluss der Erwählung, der aus der freien und unwandelbaren Liebe Gottes des Vaters hervorkommt und auf der Wirksamkeit des Verdienstes und der Fürsprache Jesu Christi. Da Gott allein unwandelbar ist, kann nur Er, und nichts was der Mensch selbst hervorbringt, diese verlässliche Zuversicht zusagen.
Artikel 19 – Von der Gewissheit der Gnade und des Heils
19.1 Heilsgewissheit ist möglich
Auch wenn es sein kann, dass diejenigen, die eine Zeit lang glauben, und andere nicht wiedergeborene Menschen sich selbst mit falschen Hoffnungen und fleischlichen Anmaßungen vergeblich damit betrügen, dass sie unter Gottes Gunst und im Stand der Errettung seien, wird ihre Hoffnung zu Grunde gehen370. Doch diejenigen, die wirklich an den Herrn Jesus glauben und ihn aufrichtig lieben, indem sie sich bemühen mit völlig reinem Gewissen vor ihm zu leben, können in diesem Leben völlig gewiss sein, dass sie im Stand der Gnade sind und können sich der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes rühmen, eine Hoffnung371, die sie niemals zuschanden werden lassen wird372.
370 Hi 8,13-14; Mt 7,22-23
371 1Joh 2,3; 3,14+15,24; 5,13
372 Röm 5,1-5
19.2 Der Grund der Heilsgewissheit
Diese Gewissheit ist nicht eine bloß mutmaßliche und wahrscheinliche Meinung, die sich auf eine fehlbare Hoffnung stützt373, sondern eine unfehlbare Glaubensgewissheit, die sich auf die göttliche Wahrheit der Heilsverheißungen gründet374, auf die innere Beglaubigung jener Gnadengaben, die in diesen Verheißungen eingeschlossen sind375, und auf das Zeugnis des Geistes der Kindesannahme, der unserem Geiste bezeugt, dass wir Kinder Gottes sind376; denn dieser Geist ist das Unterpfand unseres Erbes, mit dem wir auf den Tag der Erlösung hin versiegelt sind377.
373 Hebr 6,11+19
374 Hebr 6,17-18
375 2Petr 1,4-5; 1Joh 3,14; 2Kor 1,12
376 Röm 8,15-16
377 Eph 1,13-14; Eph 4,30; 2Kor 1,21-22
19.3 Heilsgewissheit ist nicht heilsnotwendig
Diese unfehlbare Gewissheit gehört nicht so zum Wesen des Glaubens, dass ein wahrer Gläubiger nicht auch lange darauf warten und mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen haben könnte bis er an ihr teil hat378. Doch durch den Geist dazu befähigt die Dinge zu erkennen, die ihm von Gott frei gegeben sind, kann er sie ohne eine außergewöhnliche Offenbarung durch den rechten Gebrauch der gewöhnlichen Mittel erlangen379. Darum hat jeder die Pflicht allen Fleiß anzuwenden, sich seiner Berufung und Erwählung zu vergewissern, damit sein Herz dadurch an Frieden und Freude im Heiligen Geist, an Liebe und Dankbarkeit gegenüber Gott und an Kraft und Bereitwilligkeit in den Pflichten des Gehorsams zunimmt, welche die besonderen Früchte dieser Gewissheit sind380. Dies ist sehr weit davon entfernt Menschen zur Nachlässigkeit zu verleiten381.
378 Jes 50,10; Ps 77,2-13
379 1Joh 4,13; Hebr 6,11-12
380 Röm 5,1-2+5; Ps 119,32
381 Röm 6,1-2; Tit 2,11-12
19.4 Heilsgewissheit kann verschüttet werden
Die Heilsgewissheit wahrer Gläubiger kann auf verschiedene Weise erschüttert, geschwächt und unterbrochen werden. Das kann durch Nachlässigkeit sie zu erhalten geschehen oder dadurch, dass man in einer besonderen Sünde verharrt, die das Gewissen verletzt und den Geist Gottes betrübt, auch durch plötzliche und heftige Versuchungen oder durch den Umstand, dass Gott das Licht seines Angesichtes abwendet, sodass die, die Gott fürchten, doch im Dunkeln tappen und kein Licht haben382. Dennoch sind sie niemals völlig dem Wort Gottes (das wie ein Saatkorn in ihnen verborgen liegt) und dem Glaubensleben entfremdet; auch fehlt ihnen die Liebe zu Christus und zu den Brüdern oder ein letzter Rest an Aufrichtigkeit und Pflichtgefühl nicht völlig. Durch all das werden sie in dieser Zwischenzeit aufrechterhalten und vor völliger Verzweiflung bewahrt, bis die angefochtene Gewissheit durch das Eingreifen des Geistes zur rechten Zeit neu belebt wird383.
382 Eph 4,30-31; Ps 31,23; Jes 50,10
383 1Joh 3,9; Ps 51,10+14
Katechismus zu Artikel 19
Gibt es Heilsgewissheit?
Ja; auch wenn die Erkenntnis bei dem Einen nach der Bekehrung, bei dem Anderen durch viel Kampf und Anfechtung kommen kann.
Woher kommt die Heilsgewissheit?
Der Heilige Geist gibt sie.
Was bewirkt Heilsgewissheit?
Sie bewirkt Dankbarkeit gegenüber Gott, sowie Zuversicht und Dienstbereitschaft. Heilsgewissheit bewirkt nicht, dass jemand gleichgültig oder nachlässig wird.
Artikel 20 – Vom Gesetz Gottes
20.1 Das Gesetz als Bund der Werke
Gott gab Adam ein Gesetz, das auf sein Herz geschrieben war und allumfassenden Gehorsam forderte, und die konkrete Anweisung, nicht von der Frucht des Baumes der Erkenntnis des Guten und Bösen zu essen384. Dadurch hat er ihn und alle seine Nachkommen zu persönlichem, vollkommenem, gewissenhaftem und stetigem Gehorsam verpflichtet385, bei der Erfüllung Leben verheißen und bei der Übertretung den Tod angedroht und ihm auch Kraft und Fähigkeit verliehen, es zu halten386.
384 1Mo 2,16-17; Pred 7,29
385 Röm 10,5
386 Gal 3,10+12
20.2 Die Zehn Gebote
Dieses Gesetz blieb nach Adams Fall weiterhin als ein vollkommener Maßstab der Gerechtigkeit erhalten und wurde als solcher von Gott auf dem Berge Sinai in den zehn Geboten übergeben und auf zwei Tafeln aufgeschrieben387; die ersten vier Gebote enthalten unsere Pflichten gegenüber Gott, die anderen sechs unsere Pflichten gegenüber den Menschen388.
387 Jak 1,25; 2,8+10-13; Röm 13,8-9; 5Mo 10,4
388 Mt 22,37-40
20.3 Moralgesetz und Zeremonialgesetz
Neben diesem Gesetz, das man gewöhnlich Moralgesetz nennt, hat es Gott gefallen dem Volk Israel Zeremonialgesetze zu geben, die verschiedene sinnbildliche Anordnungen enthalten. Teilweise beziehen diese sich auf den Gottesdienst, indem sie im Voraus Christus, seine Gnadengaben, Taten, Leiden und Wohltaten darstellen389, und teilweise bieten sie verschiedene Anweisungen für moralische Pflichten390. Alle diese Zeremonialgesetze, die nur bis zum Zeitpunkt der Neugestaltung in Kraft waren, wurden von Jesus Christus, dem wahren Messias und alleinigen Gesetzgeber, der vom Vater dazu bevollmächtigt wurde, erfüllt391.
389 Hebr 10,1; Kol 2,17
390 1Kor 5,7
391 Kol 2,16-17; Eph 2,14-16
20.4 Judizialgesetz
Dem alttestamentlichen Bundesvolk gab er als einer politischen Körperschaft auch besondere Rechtsvorschriften; diese haben allerdings, zusammen mit dem Zusammenbruch des jüdischen Staates ihre Gültigkeit verloren, lediglich ihre allgemeine Entsprechung ist von moralischem Nutzen392.
392 1Kor 9,8-10
20.5 Das Moralgesetz bleibt bindend
Das Moralgesetz verpflichtet für immer alle Menschen, seien sie gerechtfertigt oder nicht, zum Gehorsam393 – und zwar nicht nur im Hinblick auf die in ihm enthaltenen Dinge, sondern auch im Hinblick auf die Autorität Gottes, des Schöpfers, der es gegeben hat394. Diese Verpflichtung löst Christus im Evangelium auch nicht irgendwie auf, sondern verstärkt sie vielmehr395.
393 Röm 3,11; 13,8-10; 1Joh 2,3-4
394 Jak 2,10-11
395 Mt 5,17-19; Jak 2,8; Röm 3,31
20.6 Das Moralgesetz ist von großem Nutzen
Wahre Gläubige sind zwar nicht unter dem Gesetz als einem „Bund der Werke“, um dadurch gerechtfertigt oder verurteilt zu werden396. Trotzdem ist das Gesetz für sie wie auch für andere von großem Nutzen; denn es weist als Lebensregel die rechte Richtung, indem es ihnen Auskunft über den Willen Gottes und ihre Pflichten gibt, und verpflichtet sie zu einer entsprechenden Verhaltensweise397; es deckt auch die sündhaften Verunreinigungen ihrer Natur, ihrer Herzen und ihrer Lebensführung auf398. Wenn sie sich daran prüfen, hat das zur Folge, dass ihnen ihre Sünde bewusst wird, die sie dann als Demütigung empfinden und zu hassen beginnen399; damit verbunden wächst in ihnen die Einsicht, wie nötig sie Christus haben und den vollkommenen Gehorsam400, den er geleistet hat. Im Weiteren dient das Gesetz für die Wiedergeborenen auch dazu, ihre (angeborene) Verdorbenheit dadurch in Schranken zu halten, dass es Sünde verbietet401. Seine Drohungen dienen dazu zu zeigen, was ihre Sünden verdienen und welche Nöte sie dafür in diesem Leben zu erwarten haben, obwohl sie von dem diesbezüglich im Gesetz angedrohten Fluch befreit sind402. Seine Verheißungen zeigen ihnen in ähnlicher Weise Gottes Wohlgefallen am Gehorsam und welche Segnungen sie bei seiner Erfüllung erwarten dürfen403; doch nicht so, als wäre es ihnen Gott durch das Gesetz als einem „Bund der Werke“ schuldig404; auch besagt es nicht, dass ein Mensch (bloß) unter dem Gesetz und (noch) nicht unter der Gnade lebt, wenn er Gutes tut und Böses unterlässt, weil das Gesetz zum einen aufmuntert und vom anderen abschreckt405.
396 Röm 6,14+ 8,1; Gal 2,16; Apg 13,39
397 Röm 7,12 + 22; Ps 119, 4-6; Gal 5,14+16+18-23
398 Röm 3,20 + 7,7
399 Jak 1,23-25
400 Gal 3,24; Röm 7,24-25 + 8,3-4
401 Jak 2,11; Ps 119,101
402 Esra 9,13-14; Ps 89,30-34
403 Eph 6,2-3, Ps 19,11
404 Gal 2,16; Lk 17,10
405 Röm 6,12+14; Hebr 12,28-29
20.7 Das Halten des Moralgesetzes widerspricht nicht der Gnade
Ebenso wenig steht die zuvor erwähnte Anwendung des Gesetzes im Widerspruch zur Gnade des Evangeliums; vielmehr stimmt sie damit harmonisch überein406, indem der Geist Christi den Willen des Menschen anleitet und befähigt das freiwillig und mit Freude zu tun, was der im Gesetz geoffenbarte Wille Gottes zu tun erfordert407.
406 Gal 3,21
407 Hes 36,27
Katechismus zu Artikel 20
Können die zu Gott Bekehrten seine Gebote vollkommen halten?
Nein, sondern es kommen auch die frommsten Menschen in diesem Leben über einen geringen Anfang dieses Gehorsams nicht hinaus. Wohl aber beginnen sie mit fester Absicht nicht nur nach einigen, sondern nach allen Geboten Gottes zu leben.
Warum lässt Gott denn die zehn Gebote so eindringlich predigen, wenn sie doch in diesem Leben niemand halten kann?
Erstens sollen wir unser ganzes Leben lang unsere sündige Art immer mehr erkennen und umso begieriger Vergebung der Sünden und Gerechtigkeit in Christus suchen.
Zweitens sollen wir unaufhörlich uns bemühen und Gott um die Gnade des Heiligen Geistes bitten, dass wir immer mehr zum Ebenbild Gottes erneuert werden, bis wir nach diesem Leben das Ziel der Vollkommenheit erreichen.
Artikel 21 – Vom Evangelium
21.1 Der Kern des Evangeliums
Nachdem die Menschheit in Sünde gefallen war, gefiel es Gott, die Verheißung des Christus, des Samens der Frau, als das Mittel bekannt zu geben, durch das er die Erwählten beruft und in ihnen Glauben und Buße hervorbringt408. In dieser Verheißung wurde das Evangelium in seinem wesentlichen Gehalt geoffenbart, und es ist darin zur Bekehrung und Errettung von Sündern wirksam409.
408 1Mo 3,15
409 Eph 2,12; Gal 4,4; Hebr 11,13
21.2 Gottes Mittel der Offenbarung des Evangeliums
Diese Verheißung des Christus und die Erlösung durch ihn wird nur durch das Wort Gottes offenbart410. Gott hat sich in seiner Schöpfung offenbart, so dass alle ohne Entschuldigung sind ihn nicht geehrt zu haben. Jedoch enthüllen die Werke der Schöpfung oder der Vorsehung zusammen mit dem Licht der Natur nicht einmal in einer ganz allgemeinen und unklaren Weise Christus oder die von ihm ausgehende Gnade411. Noch viel weniger können Menschen durch sie in die Lage versetzt werden, rettenden Glauben und Buße zu erlangen, ohne die Offenbarung von ihm durch die Verheißung oder das Evangelium zu kennen412.
410 Apg 4,12; Röm 10,13-15
411 Ps 19, Röm 1,18-23
412 Spr 29,18; Mt 28,18-20, Lk 24,47
21.3 Kein Mensch kann sich rühmen
Die Offenbarung des Evangeliums an Sünder, die zu unterschiedlichen Zeiten und in verschiedenen Teilen geschah – wobei für die Nationen und Personen, denen es anvertraut wurde, Verheißungen und Gebote hinsichtlich des darin geforderten Gehorsams hinzugefügt wurden – geht ausschließlich auf den souveränen Willen und das Wohlgefallen Gottes zurück413. Sie ist weder kraft irgendeiner Verheißung mit der angemessenen Vervollkommnung der natürlichen Fähigkeiten des Menschen verknüpft, noch kraft des allgemeinen Lichts, das man auch ohne das Evangelium empfängt, was nie jemand geschafft hat oder schaffen kann414. Daher ist die Predigt des Evangeliums zu allen Zeiten einzelnen Personen und Nationen anvertraut worden, um es gemäß dem Ratschluss des Willens Gottes auf sehr unterschiedliche Weise auszubreiten oder einzudämmen.
413 Ps 147,20
414 Röm 1,18-23; 3,10-12
21.4 Gott wirkt durch den Heiligen Geist das erkennen
Auch wenn das Evangelium das einzige äußerliche Mittel ist, um Christus und die rettende Gnade zu offenbaren und auch wenn es als solches völlig ausreichend dazu ist415; so ist doch – damit Menschen, die in ihren Übertretungen tot sind, von neuem geboren, lebendig gemacht oder wiedergeboren werden – darüber hinaus ein wirksames, unwiderstehliches Wirken des Heiligen Geistes an der ganzen Seele nötig, um in ihnen ein neues geistliches Leben zu erzeugen416. Ohne dies kann kein anderes Mittel ihre Bekehrung zu Gott erwirken417.
415 Röm 1,16-17
416 1Kor 2,14; Eph 1,19-20
417 Joh 6,44; 1Kor 1,22-24
21.5 Jeder Mensch darf zu Gott kommen
Durch das Evangelium ruft Gott frei und aufrichtig ohne Unterschied die verlorenen Menschen dazu auf, zu Christus zu kommen418, denn er will, dass sie errettet werden, und erfreut sich daran419. So darf jeder, der aufrichtig unter Gottes Bedingungen zu Christus kommen will, zu ihm kommen, und wer so zu ihm kommt, wird nicht abgewiesen werden420. Obwohl dieses freie und gütige Angebot Christi dem Ratschluss Gottes zur Verdammnis421, der individuellen Erwählung422 und der völligen Unfähigkeit von verlorenen Sündern, Buße zu tun und zu glauben423, zu widersprechen scheint, müssen die Diener Christi dennoch Sünder ohne Unterschied ernst und nachdringlich bitten, Buße zu tun und dem Evangelium zu glauben424.
418 Mt 11,28-30; Apg 17,30-31
419 Hes 33,11; Joh 5,34
420 Joh 6,37; Offb 22,17
421 Hes 33,11; Mt 11,25-26
422 Joh 17,9
423 Mt 11,28-30; Joh 6,44
424 Mk 1,15
Katechismus zu Artikel 21
Was ist das Evangelium?
Das Evangelium ist die Botschaft von Jesus Christus, der als wahrer Gott und Mensch durch seinen Opfertod am Kreuz das gewirkt hat, zu was nichts und niemand sonst in der Lage war und jemals sein wird: Die Sühnung der Sünden der Menschen.
Woher weißt du das?
Diese Verheißung des Christus und die Erlösung durch ihn werden nur durch das Wort Gottes offenbart.
Wem gilt das Evangelium?
Durch das Evangelium ruft Gott frei und aufrichtig ohne Unterschied die verlorenen Menschen dazu auf, zu Christus zu kommen, denn er will, dass sie errettet werden, und erfreut sich daran. So darf jeder, der aufrichtig unter Gottes Bedingungen zu Christus kommen will, zu ihm kommen, und wer so zu ihm kommt, wird nicht abgewiesen werden.
Artikel 22 – Von der Freiheit des Christen und seines Gewissens
22.1 Die Freiheit der Christen
Die Freiheit, die Christus den Gläubigen unter dem Evangelium erworben hat, besteht in dem Freispruch von der Schuld der Sünde, von dem verdammenden Zorn Gottes, dem Fluch des Gesetzes425 und in ihrer Befreiung von dieser gegenwärtigen bösen Welt, der Knechtschaft des Satans und der Herrschaft der Sünde426, von dem Übel der Nöte, dem Stachel des Todes, dem Sieg über das Grab und die ewige Verdammnis427, sowie in ihrem freien Zugang zu Gott428 und ihrem eifrigen Gehorsam gegen ihn, nicht aus knechtischer Furcht, sondern aus kindlicher Liebe und in einer Haltung herzlicher Bereitschaft429. Alles dies war zwar auch den Gläubigen unter dem Gesetz430 eigen; aber unter dem Neuen Bund ist die Freiheit der Christen durch die Befreiung vom Joch des Zeremonialgesetzes, dem die jüdische Kirche unterworfen war431, weiter ausgedehnt worden; so erlaubt sie auch den Zutritt zum Thron der Gnade mit größerer Zuversicht432 und zeichnet sich durch umfassendere Mitteilungen des freien Geistes Gottes aus, als sie die Gläubigen unter dem Gesetz normalerweise empfingen433.
425 Tit 2,14; 1Thess 1,10; Gal 3,13
426 Gal 1,4; Kol 1,13; Apg 26,18; Röm 6,14
427 Röm 8,1+28; Ps 119,71
428 Röm 5,1-2
429 Röm 8,14-15
430 Gal 3,9+14
431 Gal 5,1; Apg 15,10-11
432 Hebr 4,14+16; 10,19-22
433 Joh 7,38-39; 2Kor 3,13+17-18
22.2 Gott ist der alleinige Herr des Gewissens
Gott allein ist Herr des Gewissens434 und er hat es nicht an menschliche Lehren und Gebote gebunden, die in irgendeiner Weise seinem Wort entgegenstehen oder nicht darin enthalten sind435. Daher wird die wahre Gewissensfreiheit verraten, wenn unter Berufung auf das Gewissen solchen Lehren geglaubt und solchen Geboten Gehorsam geleistet wird436. Ebenso bedeutet die Forderung nach blindem Glauben und absolutem und blindem Gehorsam, dass die Gewissensfreiheit und auch die Freiheit der Vernunft zerstört werden437.
434 Jak 4,12; Röm 14,4; Gal 5,1
435 Apg 4,19; 5,29; 1Kor 7,23
436 Kol 2,20-23; Gal 2,2-5
437 Röm 10,17; Apg 17,11; 1Kor 3,5; 2Kor 1,24
22.3 Die christliche Freiheit rechtfertigt keine Sünde
Diejenigen, die unter dem Vorwand christlicher Freiheit irgendeine Sünde begehen oder an irgendeiner sündigen Lust festhalten, zerstören so – da sie dadurch die wesentliche Absicht der Gnade des Evangeliums zu ihrem eigenen Verderben verdrehen438 – völlig den Zweck der christlichen Freiheit, der darin besteht, dass wir, die wir aus den Händen all unserer Feinde befreit sind, ohne Furcht dem Herrn dienen, in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor ihm alle Tage unseres Lebens439.
438 Röm 6,1-2
439 Röm 14,9; Gal 5,13; 2Petr 2,18+21
Katechismus zu Artikel 22
Worin besteht deine Freiheit, wenn du glaubst?
Meine Freiheit besteht in dem Freispruch von der Schuld der Sünde, von dem verdammenden Zorn Gottes, dem Fluch des Gesetzes und in ihrer Befreiung von dieser gegenwärtigen bösen Welt, der Knechtschaft des Satans und der Herrschaft der Sünde, von dem Übel der Nöte, dem Stachel des Todes, dem Sieg über das Grab und die ewige Verdammnis, sowie in ihrem freien Zugang zu Gott und ihrem eifrigen Gehorsam gegen ihn, nicht aus knechtischer Furcht, sondern aus kindlicher Liebe und in einer Haltung herzlicher Bereitschaft.
Artikel 23 – Von dem Gottesdienst und dem Tag des Herrn
23.1 Gott legt fest, wie er verehrt werden will
Die natürliche Offenbarung zeigt, dass es einen Gott gibt, der über alles absolute Gewalt besitzt und herrscht, der gut ist und jedem Menschen seine Güte erweist; deshalb sollen wir ihn auch fürchten, lieben, loben, anrufen, ihm vertrauen und dienen – und zwar von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit allen Kräften440. Doch wie der wahre Gott in der Weise verehrt werden soll, dass er es auch annehmen kann, ist von ihm selbst bestimmt worden und so an seinen eigenen, geoffenbarten Willen gebunden, dass er nicht nach den Einbildungen und Einfällen von Menschen oder nach den Eingebungen Satans verehrt werden kann, auch nicht unter irgendwelchen Formen einer sichtbaren Darstellung Gottes oder auf eine sonstige, nicht in der Heiligen Schrift vorgeschriebene Weise441.
440 Röm 1,20; Apg 17,24, Mk 12,33
441 5Mo 13,1; Mt 15,9; Apg 17,25
23.2 Nur Gott allein darf verehrt werden und Jesus ist der einzige Mittler
Religiöse Verehrung gebührt Gott, dem Vater, Sohn und Heiligen Geist; und ihm allein442: nicht Engeln, Heiligen oder irgendeiner anderen Kreatur443. Diese kann seit dem Sündenfall nicht ohne einen Mittler oder durch die Vermittlung eines anderen erfolgen – als allein durch Christus444.
442 Mt 4,10
443 Kol 2,18; Offb 19,10; Röm 1,25
444 Joh 14,6; 1Tim 2,5
23.3 Gott will Gebet
Gebet, verbunden mit Danksagung, gilt vor Gott als ausdrückliche Pflicht445 und wird im Rahmen der Gottesverehrung von allen Menschen gefordert446. Damit er es annehmen kann, soll es im Namen des Sohnes447 durch den Beistand des Geistes448 in Übereinstimmung mit seinem Willen449 geschehen, mit Verstand, Ehrerbietung, Demut, Eifer, Glauben, Liebe und Ausdauer450 und, wenn mit hörbaren Worten, in einer bekannten Sprache451.
445 Ps 65,2
446 Phil 4,6
447 Joh 14,13-14; 1Petr 2,5
448 Röm 8,26
449 1Joh 5,14
450 Pred 5,1-2; Hebr 12,28; Jak 1,6-7; Eph 6,18
451 1Kor 14,14
23.4 Für wen man beten darf
Es soll für rechtmäßige Dinge und für alle Menschen gebetet werden452, die jetzt leben oder künftig leben werden453; nicht aber für die Toten454, auch nicht für die, von denen man wissen mag, dass sie die Sünde zum Tode begangen haben455.
452 1Joh 5,14
453 1Tim 2,1-2; Joh 17,20
454 Lk 16,25-26; Offb 14,13
455 1Joh 5,16
23.5 Gottesdienst und die Bestandteile der Verehrung Gottes
Wahrer Gottesdienst ist aus biblischer Sicht ein vor Gott wohlgefälliges Leben und nicht zu verwechseln mit der Versammlung der Heiligen. Dieser Unterschied ist stets zu betonen, damit der Gläubige die Gottesverehrung nicht auf öffentliche Versammlungen beschränkt, sondern diese zu jeder Zeit Teil seines Lebens ist456.
456 Röm 12,1
23.6 Bestandteile der Verehrung Gottes in der Versammlung
So wie im Alten Testament das Opfer, der Priester, der Tempel und das Lesen des Gesetzes für eine Versammlung die zentralen Bestandteile waren, so ist Christus, der die Erfüllung all dieser Dinge ist, Mittelpunkt jeder Versammlung der Heiligen. Daher muss sie in allem sein Wesen widerspiegeln und auf sein Opfer und seinen Dienst hinweisen457.
Eine rechte öffentliche Versammlung besteht stets aus: dem Lesen der Schrift mit Gottesfurcht; der gesunden Wortverkündigung und dem gewissenhaften Hören des Wortes im Gehorsam gegen Gott mit Verstand, Glauben und Ehrerbietung458; aus dem Singen von Psalmen (Lobgesängen und geistlichen Liedern)459, das von Herzen kommt; ebenfalls aus der rechten Verwaltung und dem würdigen Empfang der von Christus eingesetzten Gnadenmittel. Darüber hinaus soll in besonderen Situationen eine würdevolle Demütigung unter Fasten und Danksagung in heiliger und religiöser Weise durchgeführt werden.
457 Hebr 10,1-13
458 Apg 17,11; Röm 10,12-14
459 Eph 5,18-21
23.7 Ort und Zeit des Gebets
Unter dem Evangelium ist weder das Gebet noch irgendetwas anderes im Rahmen der Gottesverehrung an irgendeinen Ort gebunden, an dem es vollzogen oder auf den es bezogen wird, noch wird es dadurch annehmbarer für Gott460. Vielmehr soll Gott überall461 „im Geist und in der Wahrheit“ angebetet werden462; sowohl täglich463 im privaten Familienkreis464 und von einem jeden gesondert für sich465, als auch umso ernsthafter in den öffentlichen Versammlungen, welche nicht sorglos oder mutwillig missachtet oder verlassen werden sollen, da ja Gott durch sein Wort bzw. seine Vorsehung uns dazu aufruft und die Versammlungen der gegenseitigen Ermahnung und Ermunterung in der Nachfolge Christi dient466.
460 Joh 4,21+23
461 Mal 1,11; 1Tim 2,8
462 Joh 4,23-24
463 Hi 1,5; 1Petr 3,7; Apg 10,2
464 Mt 6,11
465 Mt 6,6; Eph 6,18
466 Hebr 10,25; Apg 2,42
Katechismus zu Artikel 23
Wie sieht ein Gott wohlgefälliger Gottesdienst aus, wie möchte Gott verehrt werden?
Der wahre Gottesdienst ist das ganze Leben des Gläubigen und besteht nicht nur aus der Versammlung der Heiligen. Das ganze Leben soll Gott wohlgefällig sein, ihm die Ehre geben und dadurch ein gutes Zeugnis für den Herrn in dieser Welt sein.
Artikel 24 – Von der staatlichen Gewalt
24.1 Wozu Gott die Obrigkeit gegeben hat
Gott der oberste Herr und König der ganzen Welt, hat die staatliche Gewalt (Obrigkeit) eingesetzt, dass sie zu seiner Ehre und zum allgemeinen Wohl, ihm untergeordnet, über andere herrscht. Zu diesem Zweck hat er sie mit der „Schwertgewalt“ ausgerüstet, damit die Rechtschaffenen geschützt und gefördert, die Gesetzesbrecher jedoch bestraft werden467.
467 Röm 13,1-4; 1Ptr 2,13-14
24.2 Christen dürfen ein Amt der Obrigkeit übernehmen
Christen ist es erlaubt, ein staatliches Amt anzunehmen und auszuüben, wenn sie dazu berufen werden468. Wie sie in dessen Ausübung in Übereinstimmung mit den bewahrenden Gesetzen jedes Gemeinwesens besonders Gottesfurcht, Gerechtigkeit und Frieden aufrechterhalten sollen469, so dürfen sie in dieser Absicht nach dem Neuen Testament – aus gerechtem Grund und zwangsläufiger Veranlassung – rechtmäßig Krieg führen470.
468 Spr 8,15-16
469 Ps 2,10-12; 1Tim 2,2; Ps 82,1-4
470 Lk 3,14; Röm 13,4; Mt 8,9-10; Apg 10,1-2
24.3 Das Verhalten des Christen gegenüber Obrigkeiten
Staatliche Obrigkeiten sind von Gott für die zuvor genannten Ziele eingesetzt worden. Wir sollen ihnen in allen rechtmäßigen Dingen, die sie befehlen471, im Herrn untertänig sein472, nicht nur um der Strafe, sondern auch um des Gewissens willen473. Jeder fällige Zoll, alle fälligen Steuern und Abgaben sollen entrichtet und gebührende Ehre erwiesen werden474, ebenso sollen wir Fürbitte tun und für Könige und alle, die Macht ausüben, beten, damit wir unter ihnen ein ruhiges und friedliches Leben in aller Gottesfurcht und Ehrbarkeit führen können475.
471 Dan 6,5-10+22; Mt 22,21; Apg 4,19-20; 5,29
472 Spr 19,12; 20,2; 24,21-22; Röm 13,1-7; Tit 3,1; 1Petr 2,13-14
473 Röm 13,5-7; 1Petr 2,17
474 Mt 22,17-22; Röm 13,6-7; 1Petr 2,17
475 Jer 29,7; 1Tim 2,1-4
24.4 Das Reich Christi und die staatliche Gewalt
Christi geistliches Reich und die staatliche Gewalt sind voneinander in dem Maße zu trennen, als das die Regierung zwar von Gott eingesetzt ist und ihr Gehorsam entgegengebracht werden soll (solange sie nicht zum Ungehorsam gegenüber Gott anstiftet)476, das geistliche Reich jedoch nicht in dem staatlichen zu finden ist477. Das eine ist von geistlicher Natur und wird sich, wenn auch schon gegenwärtig, in der Zukunft für alle sichtbar offenbaren und kein anderes Reich neben sich dulden478. Das andere ist von weltlicher Natur und hat nur vorübergehend Bestand, solange es Gott gefällt es nach seinem Sinn einzusetzen und zu bewahren479.
476 Röm 13,1
477 Joh 18,36
478 Mk 1,14; Offb 21,1
479 Dan 4, 31-34
24.5 Der Christ und das staatliche Amt
Dennoch ist es einem Christen erlaubt ein staatliches Amt auszuüben, da er doch auch dadurch seinen Gehorsam Gott gegenüber ausdrücken kann, dieses Amt in dem Sinne zu gebrauchen, wie es von Gott gewollt ist; nämlich zum Wohl des Volkes nach dem Gesetz Gottes für Recht und Ordnung zu sorgen480.
480 Dan 1,19-21; Apg 10,1-2
24.6 Das Evangelium und das staatliche Amt
Die Ausübung eines Amtes ist jedoch nicht mit dem Auftrag der Gemeinde zu vermischen, das Evangelium in der Welt zu verkünden. Denn die Verkündigung des Evangeliums geschieht durch Gehorsam im Auftrag und nach der Weise Christi zu Gottes Ehre, damit er sich durch die Errettung derer, die es hören und glauben, verherrlicht. Es geht dabei nicht um sozialpolitische Veränderungen des Lebens in dieser Welt481.
481 Mt 6,33; 1Ptr 2,13; 1Kor 2,13
Katechismus zu Artikel 24
Wie sollst du dich dem Staat gegenüber verhalten, auch bei Ungerechtigkeit?
Die Regierung ist von Gott eingesetzt und ihr muss Gehorsam entgegengebracht werden, solange sie nicht zum Ungehorsam gegenüber Gott anstiftet.
Artikel 25 – Von Ehe und Scheidung
25.1 Ein Mann und eine Frau
Die Ehe soll jeweils einen Mann und eine Frau an einander binden; weder ist es irgendeinem Mann erlaubt, mehr als eine Frau, noch irgendeiner Frau, mehr als einen Mann zur gleichen Zeit zu haben482. Menschen werden von Geburt an von Gott ganzheitlich als Mann oder Frau geschaffen.
482 1Mo 2,24; Mt 19,5-6
25.2 Der Sinn der Ehe
Die Ehe ist bestimmt zur gegenseitigen Hilfe von Mann und Frau483, zur Vermehrung der Menschheit durch legitime Nachkommen484 und zur Vermeidung von Unreinheit485.
483 1Mo 2,18
484 Mal 2,15-16
485 1Kor 7,2+9
25.3 Jeder darf heiraten, aber Christen nur im Herrn
Jedem Menschen ist es erlaubt zu heiraten, wenn er zurechnungsfähig seine Einwilligung geben kann486 – jedoch ist es Pflicht der Christen allein im Herrn zu heiraten487. Deswegen sollen diejenigen, die den wahren reformierten Glauben kennen, keine Ehe mit Ungläubigen oder anderen, die durch den Bruch des 1. und 2. Gebotes dem Götzendienst verfallen sind, eingehen. Ebenfalls sollen sich die Gottesfürchtigen nicht mit solchen ehelich verbinden, die ganz anders eingestellt, offenkundig gottlos leben oder verwerfliche Irrlehren vertreten488.
486 Hebr 13,4; 1Tim 4,3; 1Kor 7,36-38; 1Mo 24,57-58
487 1Kor 7,39
488 1Mo 34,14; 2Mo 34,16; 5Mo 7,3-4; 1Kön 11,4; Neh 13,25-27; Mal 2,11-12; 2Kor 6,15
25.4 Eine Ehe ist bei zu naher Blutsverwandtschaft verboten
Ehen sollen nicht zwischen den Graden von Blutsverwandtschaft oder Schwägerschaft, die im Worte verboten sind489, geschlossen werden. Es kann eine solche blutschänderische Heirat weder durch irgendein Gesetz eines Menschen noch durch Übereinkunft der Partner je rechtmäßig gemacht werden, sodass solche Personen als Mann und Frau zusammenleben dürften490.
489 1 Kor 5,1; Amos 2,7
490 Mk 6,18, 3Mo 18,6-17
25.5 Partnerschaften, die vor Gott ein Greuel sind
Gleichgeschlechtliche Ehen oder Partnerschaften und alle Beziehungen außer zwischen einem Mann und einer Frau sind Gott ein Greuel491.
491 3Mo 18,22; 20,13; Röm 1,24-28
25.6 Scheidung bei Ehebruch und Unzucht
Im Fall von Ehebruch nach der Heirat ist es dem unschuldigen Teil erlaubt, eine Scheidung zu erwirken und nach der Scheidung einen anderen zu heiraten, als ob der schuldige Teil tot wäre492.
492 Mt 5,28-32
Katechismus zu Artikel 25
Was ist der Sinn der Ehe und zu welchem Zweck hat Gott die Ehe eingesetzt?
Die Ehe ist bestimmt zur gegenseitigen Hilfe von Mann und Frau, zur Vermehrung der Menschheit durch legitime Nachkommen und zur Vermeidung von Unreinheit. Sie ist ein Abbild der unzerbrechlichen Beziehung von Christus zur seiner Gemeinde und soll Gott ehren.
Artikel 26 – Von der Gemeinde
26.1 Die unsichtbare Gemeinde
Die allgemeine oder weltweite Gemeinde, die unsichtbar ist, besteht aus der
gesamten Zahl der Erwählten, welche in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu einer Einheit versammelt wurden oder werden – unter Christus als ihrem Haupt. Sie ist die Braut, der Leib, die Fülle dessen, der alles in allen erfüllt493.
493 Eph 1,10+22-23; 5,23+27+32; Kol 1,18
26.2 Die sichtbare Gemeinde
Die sichtbare Gemeinde, die ebenso allgemein oder weltweit unter dem Evangelium ist (nicht begrenzt auf ein Volk wie zuvor unter dem Gesetz), besteht aus all denjenigen in aller Welt, die den wahren Glauben bekennen494. Sie ist das Reich des Herrn Jesus Christus495, das Haus und die Familie Gottes496.
494 1Kor 1,2; 12,12-13; Ps 2,8; Offb 7,9; Röm 15,9-12
495 Mt 13,47; Jes 9,6
496 Eph 2,19; 3,15
26.3 Das Amt der Gemeinde
Dieser allgemeinen sichtbaren Gemeinde hat Christus das Amt, die Weissagungen und Ordnungen Gottes gegeben zur Sammlung und Vollendung der Heiligen in diesem Leben bis zum Ende der Welt und macht sie durch seine persönliche Gegenwart in seinem Wort und Geist gemäß seiner Verheißung dazu wirksam497.
497 1Kor 12,28; Eph 4,11-13; Mt 28,19-20; Jes 59,21
26.4 Ortsgemeinden sind mehr oder weniger rein
Diese allgemeine Gemeinde ist zuzeiten mehr, manchmal weniger sichtbar
gewesen498; wobei die ihr zugehörigen Teilgemeinden mehr oder weniger rein sind – je nachdem in ihnen die Lehre des Evangeliums mehr oder weniger rein verkündigt und angenommen wird, die Gnadenmittel verwaltet werden und die öffentliche Gottesverehrung vollzogen wird499.
498 Röm 11,3-4; Offb 12,6+14
499 Offb 2+3; 1Kor 5,6-7
26.5 Es gibt keine vollkommene Gemeinde
Die reinsten Gemeinden unter dem Himmel sind beidem, Vermischung und Irrtum, unterworfen500, und einige sind so entartet, dass sie nicht Gemeinde Christi, sondern Synagogen des Satans501 geworden sind. Trotzdem muss es immer eine Gemeinde auf Erden geben, um Gott in der Weise zu verehren, die seinem Willen entspricht502.
500 1Kor 13,12; Mt 13,47
501 Offb 18,2; Röm 11,18-22
502 Mt 16,18; Ps 72,17; Ps 102,28; Mt 28,19-20
26.6 Christus ist das Haupt der Gemeinde
Es gibt kein anderes Haupt der Gemeinde als den Herrn Jesus Christus503. So kann der Papst von Rom überhaupt nicht in irgendeinem Sinn deren Haupt sein, vielmehr verkörperte er in seinem Selbstverständnis und durch die offiziellen römisch katholischen Dogmen eine ihrem Wesen nach antichristliche Lehre504.505
503 Kol 1,18; Eph 1,22
504 Mt 23,8-10; 2Thess 2,3-4+8-9; Offb 13,6
505 Dies trifft auch auf Menschen zu, die in ihrem Amt Gemeinden vorstehen sollten, deren Lehren aber nicht den Lehren von Gottes Wort entsprechen.
26.7 Die Gemeinde verherrlicht Christus
Gott setzt „Hirten“ und „Lehrer“ in der Gemeinde ein, damit durch ihren Dienst sowohl der Glaube gestärkt als auch der Gläubige in der Nachfolge Christi unterwiesen wird506, was jedoch niemanden seiner Verantwortung entzieht auf sich und seinen ächsten Acht zu geben507. Die Grundlage des Dienstes ist die Heilige Schrift, was bedeutet, dass die Lehre, die Überführung von Sünden, die Zurechtweisung und die Unterweisung in der Gerechtigkeit die völlige Heiligung des Gläubigen zum Ziel haben508, damit Christus durch seine Gemeinde verherrlicht wird509.
506 Eph 4,11; 1Thess 5,12
507 Gal 6,1-2
508 1Tim 4,9; 2Tim 3,16
509 Röm 8,17
26.8 Die Gaben in der Gemeinde
Um sich durch seine Gemeinde zu verherrlichen schenkt Gott alle notwendigen
Gaben, welche die Bibel „Gnadengaben“ nennt510. Diese werden durch den Heiligen Geist in der Gemeinde gewirkt und dienen der Heiligung der Gemeinde511 und der Bestätigung des Wortes Gottes und somit der Verherrlichung Gottes, niemals aber zur Ehre eines Menschen.
Es ist unmöglich Gnadengaben durch eigenes oder fremdes menschliches Wirken zu erlangen512. Derartig gewirkte Fähigkeiten sind nicht aus Gott und imitieren lediglich sein Wirken.
Einige Gaben, welche die Bibel nennt, hatten ihren Zweck für die Entstehung der
Gemeinde513. So lehnen wir das Verständnis ab, dass beispielsweise die
Zungenrede auch heute noch von Gott für seine Gemeinde gegeben wird, da diese zur Zeit der Apostel gegeben wurde, um das Evangelium den anderen Nationen zu verkünden514.
510 1Petr 4,10
511 1Kor 12,4+28
512 1Kor 12,11
513 Apg 10,44-48
514 1Kor 13,8; 1Kor 14,12
Katechismus zu Artikel 26
Was ist die Aufgabe der Gemeinde und warum hat Gott die Gemeinde in diese Welt gestellt?
Die Gemeinde ist zur Verherrlichung Christi in diese Welt gestellt, um auf ihn hinzuweisen und die Gläubigen im Prozess der Heiligung zu begleiten und ermutigen.
Artikel 27 – Von der Gemeinschaft der Heiligen
27.1 Gemeinschaft mit Christus und untereinander
Alle Heiligen, die mit Jesus Christus – ihrem Haupt – vereint sind, durch seinen Geist und im Glauben, haben Gemeinschaft mit ihm sowohl in seinen Gnadengaben als auch in seinem Leiden, seinem Tod in seiner Auferstehung und Herrlichkeit. Da sie miteinander in Liebe verbunden sind, unterstützen sie sich gegenseitig mit ihren natürlichen und geistlichen Gaben und sind verpflichtet im öffentlichen und privaten Rahmen solche Hilfestellungen zu leisten, die zum gegenseitigen Wohl beitragen; sei es in geistlichen oder natürlichen Belangen515.
515 1Joh 1,3; Röm 6,5-6; Eph 4,15-16; 1Kor 3,21-23; 1Thes 5,11+14; Gal 6,10
27.2 Die Verpflichtung zur Gemeinschaft
Die sich als Heilige bekennen, sind verpflichtet in der Verehrung Gottes und in der Erfüllung jener geistlichen Dienste, die auf ihre gegenseitige Erbauung hinauslaufen, eine heilige Gemeinschaft und brüderlichen Umgang miteinander zu pflegen. Ebenso sind sie verpflichtet einander in äußeren Dingen entsprechend ihren unterschiedlichen Fähigkeiten und Bedürfnissen zu helfen. Wenn Gott Gelegenheit dazu gibt, soll diese Gemeinschaft auf all diejenigen ausgedehnt werden, die an allen Orten den Namen des Herrn Jesus anrufen516.
516 Hebr 10,24+25; 1Joh 3,17
27.3 Wie Gemeinschaft missverstanden werden kann
Diese Gemeinschaft, die die Heiligen mit Gott haben, verschafft ihnen in keiner Weise einen Anteil am Wesen seiner Gottheit, sie macht auch niemanden Christus ebenbürtig; beides zu behaupten wäre ehrfurchtslos und lästerlich. Ihre Gemeinschaft untereinander als Heilige entzieht oder verletzt auch kein Eigentum oder den Anspruch auf das, was einem jeden Menschen an Gütern und Besitz gehört517.
517 Jes 42,8; 1Kor 8,6; Apg 5,4
Katechismus zu Artikel 27
Wer gehört zu der Gemeinschaft der Heiligen?
Alle die glauben, dass Jesus Christus der Sohn Gottes und für ihre Sünden gestorben ist, dass er am dritten Tage auferstanden ist und jetzt bei seinem Vater im Himmel ist, gehören zu den Heiligen.
Was ist das Kennzeichen der Gemeinschaft der Heiligen?
Die Gemeinschaft der Heiligen kennzeichnet sich durch zwei Dinge: Erstens sucht sie in Allem Gottes Ehre. Zweitens ist sie gekennzeichnet durch brüderlichen, selbstlosen Dienst untereinander. Diese beiden Dinge stehen niemals gegeneinander, sondern immer in Gemeinschaft miteinander.
Artikel 28 – Von der Taufe und dem Abendmahl
28.1 Christus hat die Taufe und das Abendmahl angeordnet
Taufe und Abendmahl sind Anordnungen von ausdrücklichem und oberstem Recht, die vom Herrn Jesus, dem einzigen Gesetzgeber, festgelegt worden sind, damit sie in seiner Gemeinde bis ans Ende der Welt durchgeführt werden518.
518 Mt 28,18-20; 1Kor 11,23-25
28.2 Keine eigenmächtige Verwaltung von Taufe und Abendmahl
Diese heiligen Verordnungen dürfen nur von solchen verwaltet werden, die dafür geeignet519 und nach dem Befehl Christi dazu berufen worden sind520.
519 Die Eignung zeigt sich in der Ausübung der Verkündigung von Gottes Wort, nicht aber darin, dass der Verwalter durch Menschen ordiniert ist.
520 Mt 24,45-51; 28,19
Katechismus zu Artikel 28
Wozu dienen die Taufe und das Abendmahl?
Es sind sichtbare heilige Wahrzeichen und Siegel. Gott hat sie eingesetzt, um uns durch ihren Gebrauch die Verheißungen des Evangeliums besser verständlich zu machen und zu versiegeln; nämlich dass er aufgrund des einmaligen Opfers Christi, am Kreuz vollbracht, Vergebung der Sünden und ewiges Leben aus Gnade schenkt.
Artikel 29 – Von der Taufe
29.1 Die Taufe als Zeichen der Gemeinschaft mit Christus
Die Taufe ist eine Anordnung des Neuen Testaments, die von Jesus Christus eingesetzt wurde. Sie ist für den Getauften ein Zeichen für die Gemeinschaft mit ihm in seinem Tod und seiner Auferstehung, für sein Eingepfropftsein in ihn, für die Sündenvergebung und für seine Hingabe an Gott durch Jesus Christus, um in der Neuheit des Lebens zu leben und zu wandeln521.
521 Röm 6,3-5; Mk 1,4; Apg 22,16
29.2 Wer empfängt die Taufe?
Diejenigen, die tatsächlich Buße zu Gott, Glauben an und Gehorsam gegenüber unserem Herrn Jesus Christus bekennen, sind die allein zulässigen Empfänger dieser Anordnung. Die Glaubenstaufe empfängt man nur einmal.522 523
522 Nachträglich hinzugefügt
523 Mt 28,19-20; Mk 16,16; Apg 2,37-41
29.3 Das Element der Taufe
Das äußere Element, das für diese Anordnung verwendet werden soll, ist Wasser, in dem der Täufling im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft wird524.
524 Apg 8,36-38; Mt 28,19
29.4 Die Form der Taufe
Die Taufe wurde in der Kirchengeschichte durch Untertauchen, Begießen oder Besprengen empfangen. Wir führen die Taufe durch untertauchen durch, erkennen die anderen Formen ausdrücklich an und verwerfen oder verurteilen sie nicht.
Katechismus zu Artikel 29
Wie wirst du in der Taufe erinnert und gewiss gemacht, dass das einmalige Opfer Christi am Kreuz dir zugut kommt?
Christus hat dies äußerliche Wasserbad eingesetzt und dabei verheißen, dass ich so gewiss mit seinem Blut und Geist von Unreinheit meiner Seele, das heißt, von allen meinen Sünden, reingewaschen bin, wie ich äußerlich durch das Wasser gereinigt werde, das die Unsauberkeit des Leibes hinweg nimmt.
Artikel 30 – Vom Abendmahl
30.1 Der Sinn des Abendmahls
Das Abendmahl wurde von unserem Herrn Jesus in derselben Nacht eingesetzt, in der er überliefert wurde, damit es in seinen Gemeinden bis ans Ende der Welt gehalten würde zur beständigen Erinnerung und Verkündigung seiner Selbstaufopferung in seinem Tod, zur Festigung des Glaubens der Gläubigen an die daraus entstammenden Wohltaten, zu ihrer geistlichen Nahrung und ihrem Wachstum in ihm, zu ihrem weiteren Einsatz für alle und gegenüber allen Pflichten, die sie ihm schuldig sind, und damit es ein Band und sicheres Zeichen ihrer Gemeinschaft mit ihm und untereinander sei525.
525 Mt 26,20-30; Lk 22,19-22; 1Kor 11,23-26
30.2 Das Abendmahl erinnert an das vollbrachte ewige Opfer
In dieser Anordnung wird Christus nicht seinem Vater geopfert noch wird überhaupt irgendein tatsächliches Opfer zur Vergebung der Sünden von Lebenden oder Toten dargebracht. Es ist vielmehr eine bloße Erinnerung an die einmalige Selbstaufopferung, die er selbst ein für alle Mal am Kreuz dargebracht hat, sowie ein geistliches Opfer des größtmöglichen Lobes Gottes dafür. Daher ist das römisch-katholische Messopfer, wie sie es nennen, äußerst abscheulich, eine Beleidigung von Christi eigenem Opfer, das das alleinige Sühnopfer für alle Sünden der Erwählten ist526.
526 Hebr 9,25-28; 10,10-14
30.3 Elemente des Abendmahls
Der Herr Jesus hat in dieser Anordnung seine Diener angewiesen, zu beten und die Elemente, Brot und Wein, zu segnen und sie damit von einem gewöhnlichen zum heiligen Gebrauch abzusondern und das Brot zu nehmen und zu brechen, den Kelch zu nehmen und beide, wobei sie auch selbst daran teilnehmen, den Kommunikanten zu geben527.
527 Mk 14,22-25
30.4 Gesinnung beim Abendmahl
Dem Volk den Kelch vorzuenthalten, die Elemente anzubeten, sie zur Anbetung in die Höhe zu heben oder herumzutragen und sie für irgendeinen angeblich religiösen Zweck aufzubewahren – dies steht alles dem Wesen dieser Anordnung und der Einsetzung durch Christus entgegen528.
528 1Kor 11,27-29
30.5 Brot und Wein
Die äußeren Elemente in dieser Anordnung stehen zu ihm, dem Gekreuzigten, wenn sie in der rechten Weise zu dem von Christus verordneten Gebrauch ausgesondert worden sind, in einer derartigen Beziehung, dass sie in der Tat manchmal – wenn auch mit bildlich gebrauchten Worten – so genannt werden wie die Dinge, die sie darstellen, nämlich Leib und Blut Christi, obwohl sie in ihrer Substanz und ihrer Natur nach tatsächlich und ausschließlich Brot und Wein bleiben, wie sie es vorher waren.
30.6 Falsches Verständnis der Elemente
Jene Lehre, die auf einer Wandlung der Substanz von Brot und Wein in die Substanz des Leibes und Blutes Christi – gewöhnlich Transsubstantiation genannt – durch die Weihung eines Priesters oder auf irgendeine andere Weise besteht, ist nicht nur mit der Schrift, sondern auch mit dem gesunden Menschenverstand und der Vernunft unvereinbar. Sie zerstört das Wesen dieser Anordnung und war und ist bis heute die Ursache für vielfältigen Aberglauben, ja für ausgeprägten Götzendienst.
30.7 Die Bedeutung des Abendmahls von den Gläubigen
Würdige Empfänger, die äußerlich an den sichtbaren Elementen dieser Anordnung teilhaben, empfangen dabei durch den Glauben auch innerlich wirklich und tatsächlich – zwar nicht fleischlich und leiblich, sondern geistlich – den gekreuzigten Christus und alle Wohltaten seines Todes und stärken sich an ihm. Der Leib und das Blut Christi sind demnach nicht leiblich oder fleischlich, sondern geistlich im Glauben der Gläubigen in dieser Anordnung ebenso gegenwärtig, wie es die Elemente selbst für ihre äußerliche Sinneswahrnehmung sind529.
529 Joh 6,47-59
30.8 Die würdigen Gäste des Herrn
Da sie sich nicht an der Gemeinschaft mit Christus erfreuen können, sind alle unverschämten und gottlosen Personen somit des Tisches des Herrn unwürdig und können nicht ohne große Sünde gegen ihn an diesen heiligen Geheimnissen teilhaben oder zu ihnen zugelassen werden, solange sie in diesem Zustand verharren. Jeder, der sie unwürdig empfängt, ist wahrhaftig am Leib und Blut des Herrn schuldig und isst und trinkt sich selbst zum Gericht530.
530 Mt 7,6; 2Kor 6,14-15
Katechismus zu Artikel 30
Warum nennt denn Christus das Brot seinen Leib und den Kelch sein Blut oder nennt den Kelch den neuen Bund in seinem Blut, und warum spricht Paulus von der Gemeinschaft des Leibes und Blutes Jesu Christi?
Christus redet so nicht ohne große Ursache. Er will uns damit lehren: Wie das Brot und der Wein das zeitliche Leben erhalten, so sind sein gekreuzigter Leib und sein vergossenes Blut die wahre Speise und der wahre Trank unserer Seele zum ewigen Leben. Darüber hinaus will er uns durch dieses sichtbare Zeichen und Pfand gewiss machen, dass wir so wahrhaftig durch seinen Heiligen Geist an seinem Leib und Blut Anteil bekommen wie wir diese heiligen Wahrzeichen mit unserem Mund zum Gedächtnis empfangen.
All sein Leiden und Gehorsam sind uns so gewiss zugeeignet, als hätten wir selbst das alles gelitten und vollbracht.
Artikel 31 – Von der Notwendigkeit der Gemeindezucht
31.1 Jesus hat Amtsträger in der Gemeinde eingesetzt
Als König und Haupt seiner Gemeinde hat Jesus, der Herr, in erster Linie, jedoch nicht ausschließlich, den Verantwortlichen der Gemeinden eine bestimmte Art der Gemeindeleitung anvertraut, die sich grundsätzlich davon unterscheidet, wie ein Staat regiert wird531.
531 Hebr 13,7+17+24; 1Thess 5,12
31.2 Die Notwendigkeit der Gemeindezucht
Zuchtmaßnahmen in der Gemeinde sind notwendig, um solche Brüder zurückzuführen und zu gewinnen, die Anstoß erregen; um andere davor abzuschrecken, sich auf ähnliche Weise zu vergehen; um jenen Sauerteig auszufegen, der den ganzen Teig durchsäuern könnte; um die Ehre Christi und das heilige Bekenntnis zum Evangelium zu verteidigen und den Zorn Gottes abzuwenden, der zu Recht auf seine Kirche fallen könnte; wenn sie dulden sollte, dass sein Bund und dessen Besiegelung von jenen entweiht wird, die offenkundig und hartnäckig Anstoß erregen. Diese Zuchtmaßnahmen müssen dabei auf Gottes Wort gegründet sein und nicht nach menschlichem Ermessen geschehen532.
532 1Kor 5,1+5+11+13
Katechismus zu Artikel 31
Was soll die Gemeindezucht bewirken?
Sie soll Brüder und Schwestern zur Buße führen, um sie vor sündigen Wegen zu bewahren. Ebenso soll durch die Gemeindezucht verhindert werden, dass die Gemeinde den Zorn Gottes auf sich zieht, wenn ein lästerliches bzw. anstößiges Verhalten in der Gemeinschaft der Heiligen geduldet wird.
Artikel 32 – Von der Auferstehung vom Tod
32.1 Das Jüngste Gericht
Am Jüngsten Tag werden die Lebenden nicht sterben, sondern verwandelt533, und alle Toten werden trotz veränderter Eigenschaften mit keinem anderen als ihrem eigenen Körper auferweckt, wobei dieser für immer mit der Seele wiedervereinigt wird534.
533 1Kor 15,51-52
534 1Kor 15,42-44
32.2 Die Auferweckung der Körper
Die Körper der Ungerechten werden durch die Macht Christi zur Unehre auferweckt. Die Körper der Gerechten aber werden durch seinen Geist zur Ehre auferweckt und seinem herrlichen Leib gleichgestaltet535.
535 Joh 5,28+29; Phil 3,21
Katechismus zu Artikel 32
Was tröstet dich die Auferstehung des Fleisches?
Dass nicht allein meine Seele nach diesem Leben alsbald zu Christus, ihrem Haupt, genommen wird, sondern auch, dass dies mein Fleisch durch die Kraft Christi auferweckt, wieder mit meiner Seele vereinigt und dem herrlichen Leibe Christi gleichförmig werden soll.
Was tröstet dich der Artikel vom ewigen Leben?
Dass, nachdem ich jetzt den Anfang der ewigen Freude in meinem Herzen empfinde, ich nach diesem Leben vollkommene Seligkeit besitzen werde, die kein Auge gesehen, kein Ohr gehört, und in keines Menschen Herz nie gekommen ist, Gott ewiglich darin zu preisen.
Was hilft es dir aber nun, wenn du dies alles glaubest?
Dass ich in Christus vor Gott gerecht und ein Erbe des ewigen Lebens bin.
Artikel 33 – Vom Jüngsten Gericht
33.1 Alle müssen am Jüngsten Tag Rechenschaft ablegen
Gott hat einen Tag bestimmt, an dem er die Welt richten wird in Gerechtigkeit durch Jesus Christus536, dem alle Macht und alles Gericht vom Vater übergeben ist537. An diesem Tage werden nicht nur die abgefallenen Engel gerichtet538, sondern in gleicher Weise werden alle Menschen, die auf Erden gelebt haben, vor dem Richterstuhl Christi erscheinen539.
536 Apg 17,31
537 Joh 5,22+27
538 Jud 6
539 2Kor 5,10; Röm 2,16
33.2 Das Schicksal der Glaubenden und der Gottlosen
Diesen Tag hat Gott zu dem Zweck angesetzt, damit seine herrliche Barmherzigkeit und Gerechtigkeit öffentlich erwiesen wird: die Barmherzigkeit in der ewigen Erlösung der Erwählten; die Gerechtigkeit in der Verdammnis der Verworfenen, die gottlos sind und den Gehorsam verweigern. Dann werden die Gerechten ins ewige Leben eingehen und jene Fülle der Freude und Erquickung empfangen, die von der Gegenwart des Herrn ausgeht; aber die Gottlosen, die Gott nicht kennen und dem Evangelium Christi nicht gehorchen, werden in die ewige Qual geworfen und mit ewigem Verderben durch die Gegenwart des Herrn und seine majestätische Gewalt bestraft.540
540 Röm 9,22-23; 2Thess 1,7-10
33.3 Der Tag des Gerichts: Warnung und Trost
Christus will, dass wir in fester Überzeugung mit dem kommenden Gerichtstag rechnen, aber auch, dass uns dieser Tag unbekannt bleibt. Die Überzeugung, dass es einen Tag des Gerichts geben wird, soll beidem dienen: alle Menschen von Sünden abzuschrecken und die Gottesfürchtigen mit größerer Zuversicht in ihren Nöten zu trösten. Da jedoch dieser Tag unbekannt bleibt, soll der Mensch alle Selbstgerechtigkeit abschütteln und immer wachsam sein, weil er nicht weiß, zu welcher Stunde der Herr kommen wird. – So soll er immer bereit sein zu sagen: Komm, Herr Jesus, komm bald. Amen.541
541 Röm 8,23-25; 2Petr 3,11+14; 2Kor 5,10+11; Mk 13,35-37; Offb 22,20
Katechismus zu Artikel 33
Warum spricht Gott in seinem Wort vom Tag des Jüngsten Gerichts?
Aus den folgenden zwei Gründen: Zum einen als Trost, um die Gläubigen mit größerer Zuversicht in ihren Nöten zu trösten und zum anderen alle Menschen von Sünden abzuschrecken. Gott offenbart den Menschen seine Wege, damit niemand eine Entschuldigung vorbringen kann.
Warum ist der von Gott festgelegte Zeitpunkt der Wiederkunft Christi den Menschen aber nicht bekannt?
Der Mensch soll alle Selbstgerechtigkeit abschütteln und immer wachsam sein, weil er nicht weiß, zu welcher Stunde der Herr kommen wird. – So soll er immer bereit sein zu sagen: Komm, Herr Jesus, komm bald.
Artikel 34 – Von der Gotteserkenntnis
34.1 Der Ursprung der Gotteserkenntnis
Christus selber ist die Quelle der Gotteserkenntnis542, da in Ihm alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen sind. Diese Erkenntnis Gottes entspringt niemals menschlicher Weisheit543, da es Gott gefallen hat die Weisheit der Menschen zur Torheit zu machen544. Fordert die Heilige Schrift den Gläubigen dazu auf in der Erkenntnis zu wachsen, so ist einzig Gottes Wort selbst das Mittel zum Wachstum545.
542 Kol 2,3; 1Kor 1,5
543 1Kor 2,13
544 1Kor 1,19
545 2Petr 3,18
34.2 Das Ziel der Gotteserkenntnis
Wenn die Bibel im AT dazu aufruft den Herrn zu erkennen, meint dies mehr als ein Wissen über Ihn. Es verheißt, dass der Neue Bund eine Erkenntnis Gottes mit sich bringt, die jedem, der ein Kind Gottes ist, zu eigen ist546. Das NT erklärt, dass wiedergeborene Christen diese Erkenntnis haben und zeigt, dass Gott seine Kinder erkannt hat547. Jemanden erkennen heißt somit in der heiligen Schrift verbunden sein und in einem innigen Verhältnis leben (bspw. seine „Frau erkennen“). Die Gotteserkenntnis meint also mehr als ein reines Wissen. Vielmehr zielt die Gotteserkenntnis auf ein Leben aus einer Beziehung zu Gott377.
546 Röm 5,14; 1. Kor 1,5; Hebr 8,10-11
547 Joh 17,3; 1Kor 8,2+3; Gal 4,8+9; 2Tim 2,19
377 Eph 1,13-14; Eph 4,30; 2Kor 1,21-22
34.3 Die Auswirkung der Gotteserkenntnis
Wahre Gotteserkenntnis zeigt sich im Gehorsam548 gegenüber seinem Wort und entspringt der Anerkennung seiner Autorität und Allmacht.
548 5Mo 13,5; Jer 7,23; Röm 6,17; 10,16+17; 2Kor 10,5; 1Petr 1,2+14
Katechismus zu Artikel 34
Wie ist es dir möglich Gott zu erkennen?
Gott offenbart sich heute einzig durch sein Wort auf die Weise, dass sein Wesen rein und unverfälscht daran erkennbar ist. Das Wachsen in der Erkenntnis Gottes geschieht also einzig durch sein Wort.
Warum ist es wichtig in der Erkenntnis zu wachsen?
Weil Gott dazu in seinem Wort aufruft. Die Erkenntnis meint dabei jedoch nicht bloß ein Wissen über Gott, sondern zielt auf ein Leben aus einer Beziehung zu ihm ab.
Artikel 35 – Von Gottes Führung549
35.1 Gottes Wort und Gottes Führung
Gottes Weise seine Kinder zu führen, steht immer im Einklang mit der Bibel. Eine Weisung für das Leben, die dem Wort Gottes widerspricht oder selbst den Anspruch erhebt, dieses zu sein, steht im Widerspruch zu Gott selbst, da in seinem Wort der ganze Ratschluss Gottes offenbart wurde. Die Führung und Weisung, die der Herr seinen Kindern (durch sein Wort) offenbart, führen zu seiner Ehre.550 Die Bibel enthält Vorbilder, die seine Weisungen ernstgenommen haben und diese zeigen sich in ihrem Leben, dass ungeschönt in der Bibel niedergeschrieben wurde. Der Herr verheißt, dass er bei seinen Kindern alles zum Guten führen wird, dabei führt er sie auch über unangenehme, schmerzhafte Wege und durch Verfolgung551.
549 Artikel 35 wurden aufgrund seiner Relevanz für die Gemeinde heute hinzugefügt.
550 2Tim 3,16-17; Röm 15,4; 2Thess 1,10-12; Hebr 1,1-3
551 Röm 8,28; 1Mo 50,20
35.2 Der Grund für Gottes Führung
Alle Dinge die in der Welt geschehen, werden von Gott, direkt oder indirekt (indem er das Böse gewähren lässt), gewirkt zu seiner Verherrlichung. Gottes Führung bewirkt im Leben des Gläubigen, das er Christus ähnlicher wird, zum ewigen Leben gelangt und Gott mehr und mehr lobt. Dabei erkennt der Christ häufig erst im Rückblick die Führung Gottes. Das heißt zum Beispiel, dass auch Böses das dem Gläubigen wiederfuhr, am Ende Gutes hervorbringt552.
552 Röm 8,18+28; 2Kor 4,16-18
35.3 Gottes Mittel zur Führung
Zu besonderen heilsgeschichtlichen Zeiten, hat Gott durch Visionen, Wunder oder Zeichen gesprochen. Mit der vollständigen Offenbarung seines Wortes sind diese Dinge nicht mehr notwendig, da alles in der Bibel niedergeschrieben ist553.
Deshalb führt er nicht durch Weisung außerhalb des Wortes, wie zum Beispiel durch Stimmen im Kopf, persönliche Prophetien, Visionen, Zeichendeuterei, Gefühle oder mystische Eingebungen554.
553 Hoh 16,13-14; Hebr 1,1-3
554 2Tim 3,16-17
Katechismus zu Artikel 35
Woran erkennst du Gottes Führung?
Gottes Führung steht immer in absolutem Einklang mit seinem Wort. Dabei führt er auch über unangenehme, schmerzhafte Wege, wird jedoch alles zum Guten zu führen.
Woher kannst du aber bei Entscheidungen für die Zukunft wissen, welchen Weg Gott dich führen will?
Gott hat alles was nötig ist, damit ich seine Wege erkennen kann, in seinem Wort offenbart. Auch wenn Gottes Wort über viele Situationen des Alltags nicht spricht, so rüstet es meinen Verstand und mein Herz aus, um zu erkennen, was vor Gott wohlgefällig ist.rüstet es meinen Verstand und mein Herz aus, um zu erkennen, was vor Gott wohlgefällig ist.
Anhang
A1 Chicago-Erklärung
Artikel I
Wir bekennen, dass man die Heilige Schrift als das autoritative Wort Gottes aufnehmen muss.
Wir verwerfen die Auffassung, dass die Schrift ihre Autorität von der Kirche, der Tradition oder irgendeiner anderen menschlichen Quelle erhalte.
Artikel II
Wir bekennen, dass die Bibel die oberste geschriebene Norm ist, durch die Gott das Gewissen bindet, und dass die Autorität der Kirche derjenigen der Bibel untergeordnet ist.
Wir verwerfen die Auffassung, dass kirchliche Bekenntnisse, Konzilen oder Erklärungen eine der Bibel ebenbürtige oder gar höhere Autorität hätten.
Artikel III
Wir bekennen, dass das geschriebene Wort in seiner Gesamtheit von Gott gegebene Offenbarung ist.
Wir verwerfen die Auffassung, dass die Bibel lediglich ein Zeugnis solcher Offenbarung sei oder dass sie nur durch die Begegnung mit ihr Offenbarung werde oder dass sie in ihrer Gültigkeit von den Reaktionen des Menschen abhängig sei.
Artikel IV
Wir bekennen, dass Gott, der den Menschen in seinem Bild geschaffen hat, die Sprache als Mittel seiner Offenbarung benutzt hat.
Wir verwerfen die Auffassung, dass die menschliche Sprache durch unsere Kreatürlichkeit so begrenzt wäre, dass sie als Träger göttlicher Offenbarung ungenügend sei. Wir verwerfen ferner die Auffassung, dass die Verdorbenheit der menschlichen Kultur und Sprache durch Sünde Gottes Werk der Inspiration vereitelt habe.
Artikel V
Wir bekennen, dass Gottes Offenbarung in der Heiligen Schrift eine fortschreitende Offenbarung war.
Wir verwerfen die Auffassung, dass eine spätere Offenbarung, die eine frühere Offenbarung erfüllen mag, diese jemals korrigiere oder ihr widerspreche. Wir verwerfen ferner die Auffassung, dass irgendeine normative Offenbarung seit dem Abschluss des neutestamentlichen Kanons gegeben worden sei.
Artikel VI
Wir bekennen, dass die Schrift als Ganzes und alle ihre Teile bis zu den einzelnen Wörtern des Urtextes von Gott durch göttliche Inspiration gegeben wurden.
Wir verwerfen die Auffassung, dass man die Inspiration der Schrift in ihrer Ganzheit ohne ihre Teile oder in einigen Teilen ohne ihre Ganzheit recht bekennen könne.
Artikel VII
Wir bekennen, dass die Inspiration jenes Werk war, in dem Gott uns durch seinen Geist durch menschliche Schreiber sein Wort gab. Der Ursprung der Schrift ist Gott selbst. Die Art und Weise der göttlichen Inspiration bleibt für uns zu einem großen Teil ein Geheimnis.
Wir verwerfen die Auffassung, dass Inspiration auf menschliche Einsicht oder einen höheren Bewusstseinszustand irgendeiner Art reduziert werden könne.
Artikel VIII
Wir bekennen, dass Gott in seinem Werk der Inspiration die charakteristische Persönlichkeit und den literarischen Stil des jeweiligen Schreibers, den er ausgewählt und zugerüstet hatte, benutzte.
Wir verwerfen die Auffassung, dass Gott die Persönlichkeit dieser Schreiber ausgeschaltet habe, als er sie dazu veranlasste, genau die Worte zu gebrauchen, die er ausgewählt hatte.
Artikel IX
Wir bekennen, dass die Inspiration zwar keine Allwissenheit verlieh, aber wahre und zuverlässige Aussagen über alle Dinge garantierte, über welche die biblischen Autoren auf Gottes Veranlassung hin sprachen und schrieben.
Wir verwerfen die Auffassung, dass die Begrenztheit oder das Gefallensein dieser Schreiber notwendigerweise oder auf andere Weise Verzerrungen oder Fehler in Gottes Wort eingeführt habe.
Artikel X
Wir bekennen, dass die Inspiration, streng genommen, nur auf den autographischen Text der Schrift zutrifft, der aber durch die Vorsehung Gottes anhand der zur Verfügung stehenden Handschriften mit großer Genauigkeit ermittelt werden kann. Wir bekennen ferner, dass Abschriften und Übersetzungen der Schrift soweit Gottes Wort sind, als sie das Original getreu wiedergeben.
Wir verwerfen die Auffassung, dass irgendein wesentlicher Bestandteil des christlichen Glaubens durch das Fehlen von Autographen beeinträchtigt sei. Wir verwerfen ferner die Ansicht, dass solches Fehlen das Bekenntnis zur biblischen Irrtumslosigkeit nichtig oder irrelevant mache.
Artikel XI
Wir bekennen, dass die Schrift unfehlbar ist, da sie durch göttliche Inspiration gegeben wurde, so dass sie – weit davon entfernt, uns irrezuführen – wahr und zuverlässig in allen von ihr angesprochenen Fragen ist.
Wir verwerfen die Auffassung, dass die Bibel zur gleichen Zeit unfehlbar und in ihren Aussagen irrtümlich sein kann. Unfehlbarkeit und Irrtumslosigkeit können unterschieden, nicht aber voneinander getrennt werden.
Artikel XII
Wir bekennen, dass die Schrift in ihrer Gesamtheit irrtumslos ist und damit frei von Falschheit, Betrug oder Täuschungen.
Wir verwerfen die Auffassung, dass sich die biblische Unfehlbarkeit und Irrtumslosigkeit auf geistliche, religiöse oder die Erlösung betreffende Themen beschränke und dass Aussagen im Bereich der Geschichte und Naturwissenschaft davon ausgenommen seien.
Wir verwerfen ferner die Ansicht, dass wissenschaftliche Hypothesen über die Erdgeschichte mit Recht dazu benutzt werden dürfen, die Lehre der Schrift über Schöpfung und Sintflut umzustoßen.
Artikel XIII
Wir bekennen, dass es angemessen ist, Irrtumslosigkeit als theologischen Begriff für die vollständige Zuverlässigkeit der Schrift zu gebrauchen.
Wir verwerfen die Auffassung, dass es angemessen sei, die Schrift anhand von Maßstäben für Wahrheit und Irrtum zu messen, die ihrem Gebrauch und ihrem Zweck fremd sind.
Wir verwerfen ferner die Auffassung, dass die Irrtumslosigkeit infrage gestellt werde durch biblische Phänomene wie das Fehlen moderner technischer Präzision, Unregelmäßigkeiten der Grammatik oder der Orthographie, Beschreibung der Natur aus dem Blickwinkel der subjektiven Beobachtung, Berichte über Unwahrheiten, durch den Gebrauch des Stilmittels der Hyperbel oder gerundeter Zahlen, thematischer Anordnung des Stoffes, unterschiedlicher Auswahl des Materials in Parallelberichten oder der Verwendung freier Zitate.
Artikel XIV
Wir bekennen die Einheit und innere Übereinstimmung der Bibel.
Wir verwerfen die Auffassung, dass angebliche Fehler und Widersprüche, die bis jetzt noch nicht gelöst worden sind, den Wahrheitsanspruch der Bibel hinfällig machen.
Artikel XV
Wir bekennen, dass die Lehre von der Irrtumslosigkeit in der Lehre der Bibel über die Inspiration gegründet ist.
Wir verwerfen die Auffassung, dass man die Lehre Jesu über die Schrift mit dem Hinweis auf die Anpassung an seine Hörer oder auf irgendeine natürliche Begrenztheit seines Menschseins abtun könne.
Artikel XVI
Wir bekennen, dass die Lehre von der Irrtumslosigkeit ein integraler Bestandteil des Glaubens der Kirche während ihrer ganzen Geschichte gewesen ist.
Wir verwerfen die Auffassung, dass die Irrtumslosigkeit eine Lehre sei, die der scholastische Protestantismus erfunden habe, oder dass sie als eine Abwehrreaktion auf die Bibelkritik postuliert worden sei.
Artikel XVII
Wir bekennen, dass der Heilige Geist Zeugnis für die Heilige Schrift ablegt und den Gläubigen Gewissheit über die Zuverlässigkeit des geschriebenen Wortes Gottes gibt.
Wir verwerfen die Auffassung, dass dieses Zeugnis des Heiligen Geistes losgelöst von der Schrift oder gegen die Schrift wirke.
Artikel XVIII
Wir bekennen, dass man den Text der Bibel durch grammatisch-historische Exegese auslegen muss, indem man die literarischen Formen und Wendungen berücksichtigt, und dass die Bibel durch die Bibel ausgelegt wird.
Wir verwerfen die Berechtigung jedes Umgangs mit dem Text und jeder Suche nach hinter dem Text liegenden Quellen, die dazu führen, dass seine Lehren relativiert, für ungeschichtlich gehalten oder verworfen werden, oder dass man seine Angaben zur Verfasserschaft ablehnt.
Artikel XIX
Wir bekennen, dass ein Bekenntnis zu der vollumfänglichen Autorität, Unfehlbarkeit und Irrtumslosigkeit der Bibel für ein gesundes Verständnis des ganzen christlichen Glaubens lebenswichtig ist.
Wir bekennen ferner, dass ein solches Bekenntnis dazu führen sollte, dass wir dem Bild Christi immer ähnlicher werden.
Wir verwerfen die Auffassung, dass ein solches Bekenntnis zum Heil notwendig sei. Wir verwerfen jedoch darüber hinaus auch die Auffassung, dass die Irrtumslosigkeit ohne schwerwiegende Konsequenzen für den Einzelnen und die Kirche geleugnet werden können.
Quellen
Artikel:
Übernommen aus: „Westminster Bekenntnis“ von 1647:
Artikel 1; Artikel 2.1 + 2.2; Artikel 4.1 + 4.2 + 4.4 – 4.8; Artikel 5; Artikel 6; Artikel 7.2 – 7.6; Artikel 10; Artikel 11.2 – 11.3; Artikel 12; Artikel 13; Artikel 14; Artikel 15; Artikel 16; Artikel 17; Artikel 19.2 + 19.4 (Artikel 18.2 +18.4 i.d.Q.); Artikel 20.2 + 20.4 (außer dem letzten Satz) + 20.5 – 20.7 (Artikel 19.2 + 19.4 + 19.5 -19.7 i.d.Q.); Artikel 22.1 (Artikel 20.1 i.d.Q); Artikel 23.1 – 23.4 + 23.7 (Artikel 21.1 – 21.4 +21.7 i.d.Q.); Artikel 24.1 – 24.2 (Artikel 23.1 – 23.2 i.d.Q.); Artikel 25 (25.4 – 25.6 abgeändert) (Artikel 24 i.d.Q); Artikel 26 (Artikel 26.2 + 26.3 abgeändert) (Artikel 25 i.d.Q.); Artikel 31.1 + 31.2 (Artikel 30.1 + 30.3 i.d.Q); Artikel 32.1 + 32.2 (Artikel 32.2 + 32.3 i.d.Q.); Artikel 33
Übernommen aus „Das Bekenntnis der Baptisten“ von 1689 (in diesem als „Kapitel“ bezeichnet; wird bei abweichender Zählung angegeben):
Artikel 2.3; Artikel 4.3; Artikel 7.1 (Kapitel 6.1 i.d.Q.); letzter Satz in Artikel 7.3 (aus Kapitel 6.3 i.d.Q.); Artikel 8 (Kapitel 7 i.d.Q.); Artikel 9 (Kapitel 8 i.d.Q.); Artikel 11.1 (Kapitel 10.1 i.d.Q.); Artikel 18 (Kapitel 17 i.d.Q.); Artikel 19.1 + 19.3 (Kapitel 18.1 + 18.3 i.d.Q.); Artikel 20.1 + 20.3 (Kapitel 19.1 + 19.3 i.d.Q.) + letzter Satz 20.4 (letzter Satz in Kapitel 19.4 i.d.Q.); Artikel 21(Kapitel 20 i.d.Q.); Artikel 22.2 + 22.3 (Kapitel 21.2 + 21.3 i.d.Q.); Artikel 24.3 (Kapitel 24.3 i.d.Q.); Artikel 28; Artikel 29.1 – 29.3; Artikel 30
Übernommen aus „Hermeneutik der BEG-OWL“:
Artikel 1A
Übernommen aus „Bekenntnis des Betanien Verlags“:
Artikel 3 (Artikel 2.3 i.d.Q.)
Selbst formuliert:
Artikel 1C; Artikel 23.5 + 23.6; Artikel 24.4 – 24.6; Artikel 26. 7 + 26.8; Artikel 29.4; Artikel 34; Artikel 35
Katechismen:
Übernommen aus „Heidelberger Katechismus“ (in diesem als „Fragen“ bezeichnet):
2 (Frage 25); 3 (Frage 53); 6 (Frage 27-28); 7 (Fragen 6-10); 9 (Fragen 12-18); 12 (Fragen 60-61); 15.1 (Frage 21); 16; 17 (Fragen 62-64); 20 (Fragen 114-115); 28 (Frage 66); 29 (Frage 69 mit geänderter Fragenstellung); 30 (Frage 79); 32 (Fragen xx-xx)
Selbst formuliert:
1; 4; 5; 8; 10; 13; 14; 15.2; 18; 19; 21; 22; 23; 24; 25; 26; 27; 31; 33; 34; 35
